Monday, April 28, 2008

Bariloche

Schon auf der Fahrt nach Bariloche sah die Gegend irgendwie immer bekannter aus. War das da nicht der Vierwaldstättersee..? Lago Maggiore? Ach nein, Lago Mascardi.



Kaum in Bariloche aus dem Bus ausgestiegen, trafen wir auch schon Eric und Mariah wieder, die beiden Kalifornier, die wir auf dem Trek in El Bolson kennenlernten. Sie sind ein paar Stunden früher angekommen und gaben uns auch gleich einen guten Tip zum Übernachten. Im so ziemlich grössten und hässlichsten Gebäude von Bariloche gibts eine Señora die kleine Studios für den gleichen Preis wie ein Hostelbett vermietet. Und tatsächlich, für bloss 40 Pesos (so etwa 13 Fr.) pro Person hatten wir ein kleines aber sehr gemütliches Apartement mit kleiner Küche, eigenem Badezimmer und vor allem einer tollen Aussicht über Bariloche und den Lago Nahuel Huapi (siehe Foto unten)!



Bariloche sieht aus wie eine strube Mischung aus Schweiz, Tirol und Argentinien. Auf der Plaza gibt es Bernhardiner inklusive Schnapsfässchen um den Hals zum Fotografieren, jeder dritte Laden verkauft selbergemachte Schoggi und sogar Fondue gibts. Aber wir waren ja nicht in Bariloche un das Heimweh zu bekämpfen, sondern um wieder einmal richtige Berge zu sehen.

Nachdem wir uns beim lokalen Club Andino über die Route und Refugios erkundigten, brachen wir ohne Zelt, dafür mit viel Verpflegung auf einen der bekanntesten Treks in Argentinien auf, die Nahuel Huapi Traverse. Wieder dabei waren auch Eric und Mariah, die sich für den gleichen Trek entschieden haben.



Der erste Tag führte uns vom Skigebiet Villa Catedral durch herbstliche Lenga-Wälder zum Refugio Frey. Eigentlich wie in der Schweiz, ausser dass die Nadelbäume fehlen und Bambus als Unterwuchs doch ziemlich komisch ist.. Nach einem langen Aufstieg kamen wir dann endlich beim Refugio Frey an und fühlten uns gleich schon sehr heimisch, da das Refugio sich als veritable SAC-Hütte herausstellte.



Wir waren auf alle Fälle froh am Abend in der warmen Hütte zu sitzen und uns die Zeit mit Backgammon spielen und Hüttenkatze streicheln zu vertreiben. Nach unbestätigten Angaben des Hüttenwartes wurde es über Nacht nämlich -15 Grad kalt (vielleicht ein wenig übertrieben, aber der kleine See hinter der Hütte war jedenfalls halb zugefroren am nächsten Morgen..). Im Hintergrund des Fotos ist übrigens noch der Cerro Catdral zu sehen, der seinen Namen den vielen Granitnadeln zu verdanken hat und im Sommer ein wahres Kletterparadies ist..



Am nächsten Morgen ging es dann zwar bei sehr frischen Temperaturen, aber strahlend schönem Wetter auf die zweite Tagesetappe. Kurz zusammengefasst: Steil rauf, steil runter, nicht ganz so steil rauf und dafür umso steiler wieder runter.



Vom ersten Pass aus (Cancha de Futbòl (heisst wahrscheinlich so, weil es da eine kleine, sandige Fläche gibt, auf der man vielleicht Fussballspielen könnte. Wäre aber eine sehr undankbare Sache für die Balljungen..)) hatte man zum ersten Mal eine unglaubliche Rundsicht über den Lago Nahuel Huapi und die umliegenden Bergspitzen. Die Kletterei dafür hat sich auf jeden Fall gelohnt.



Dank losem Geröll war der folgende seeehr steile Abstieg nicht ganz so schlimm.. eigentlich fast wie skifahren. Einmal unten angekommen ging es dann diesem zauberhaften Bergtal entlang dem nächsten Pass entgegen.



Auch hier bot sich uns wieder ein super Panorama und man konnte sogar schon das Ziel unserer Etappe sehen, das Refugio Jakob (am entsprechenden See). Nach einer weiteren Runde Geröllskifahren mussten wir uns noch durch Schlamm und Schnee kämpfen bis wir endlich das Refugio erreichten. Auch hier konnte sich der Hüttenstandard mit jeder Schweizer SAC-Hütte messen. Nach gemütlichem Mate-Schlürfen, Z´Nachtkochen, lustigem-Kartenspiel-spielen-mit Eric-und-Mariah (und einem Medizinstudenten aus Salt Lake City), Schoggimoussedessertessen und struben-argentinischen-Tango-hören (Pococapetepel..??) gings dann in die wohlverdienten warmen Schlafsäcke.



Eigentlich spielten wir noch mit dem Gedanken, am nächsten Tag einen etwas hochalpineren Weg zum nächsten Refugio zu nehmen, aber als wir am Morgen aus der Hütte schauten, bot sich uns der obenstehende Anblick.. Schnee bis fast zur Hütte und definitiv auf dem Weg zum Refugio Lago Negra. Wir entschlossen uns deshalb für das Schlechtwetterprogramm und machten uns auf den Abstieg nach Colonia Suiza (!!!).



Die Wettergötter waren uns aber auch heute milde gestimmt und nach einer halben Stunde Wanderung regnete es nur noch von den Bäumen und Bambusstauden. Der Abstieg führte uns durch ein wildes Tal gesäumt von frischverschneiten Bergkuppen.



Am Ende des Tales angekommen fühlten wir uns zuerst mal wie an der italienischen Mittelmeerküste. Sandstrand, azurblaues Wasser, Zypressen.. auf der Schotterpiste ging es dann noch für einige Kilometer diesem See entlang bis zur Colonia Suiza, einem kleinen Nest, das Ende des 19 Jh. von zwei Brüdern aus dem Unterwallis gegründet wurde.



Und tatsächlich gab es dann auch jenste Zeichen der schweizer Gründerväter... sogar ein eigenes Bier!!!



Welches wir uns nach diesem Trek natürlich verdient hatten..!



Auf der Suche nach einem Hostel lief uns dann sogar noch ein zahmes (und höchstwahrscheinlich schizophrenes (es dachte es sei ein Hund..)) Guanaco nach! Am Abend mussten wir natürlich noch testen, ob die hier wirklich Fondue machen können.. und tatsächlich war das Fondue sehr fein, wenn auch die Beilagen zum im Käse tunken etwas ausgefallen waren (Rüebli, Champignon, Wursträdchen...). Wir fanden sogar einen guten argentinischen Weisswein dazu (was imfall wirklich nicht so einfach ist!)

Zurück in Bariloche hiess es dann Abschiednehmen von Eric und Mariah, welche nach Mendoza zum Weintrinken weiterreisten. Nach einem gemeinsamen Abschiedsessen (oder auch übrig-gebliebener-Proviant-fertigessen) ging es auch für uns wieder weiter. Nächstes Ziel: Osorno (wieder mal Chile) !

El Bolson

Die Fahrt zurück nach Argentinien entpuppte sich als kleiner Kulturschock für uns...

...nach zwei Wochen Carretera austral, kleinen Bussen und Holperstrassen, sassen wir ab der argentinischen Grenze plötzlich wieder in einem ziemlich komfortablen Bus. Und erst der Schock als wir in der nächstgrösseren Stadt (Esquel) ankamen: ein riiiesen Busterminal, Cafes, Läden - wir waren uns das alles gar nicht mehr gewöhnt. Zum Glück gings nach kurzem Aufenthalt gleich weiter ins kleinere und gemütlichere el Bolson.

Wir hatten vor, von el Bolson aus einen 3-Tage Trek "around Hielo Azul" (ein Gletscher in der Region) zu machen. Wir mussten unsere Route jedoch ein wenig abändern, nachdem wir vom Clubo andino erfahren hatten, dass eine Brücke dieses Treks im Moment nicht passierbar ist.

Guten Mutes machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg...jedoch kaum eine halbe Stunde unterwegs begann es in Strömen zu regnen. Tja, wenigstens mal eine Gelegenheit all unsere Regenausrüstung zu tragen, die wir normalerweise vergebens im Rucksack mitschleppen. Wir konnten jedoch nicht ahnen, dass es ohne Unterbruch bis am Abend weiterregnen würde - sonst hätten wir den 1000m Anstieg vielleicht nicht in Angriff genommen.



Wenigstens wartete am Ende unserer Strapazen ein gemütliches Hüttchen auf uns, wo wir als erstes den Ofen anheizten, um all unsere nassen Sachen zu trocknen.



Die Aussicht vom Refugio el Natacion sah übrigens etwa so aus:



Trotz Ofen wurde es eine eher kühle Nacht, da die Hütte äusserst schlecht isoliert war (Plastikfolienfenster und Ritzen überall) - wir waren deshalb froh, als wir uns am Morgen in den ersten Sonnenstrahlen aufwärmen konnten.



Wir wollten diesen definitiv viiiiel freundlicheren Tag nutzen, um einen Ausflug zum Refugio Hielo azul zu machen, das entlang unserer ursprünglich geplanten Route lag.



Um zu diesem Refugio zu gelangen, hätten wir aber noch dieses Flüsschen queren müssen...
...die offizielle Brücke darüber bestand aus einem Baumstamm, der aber aufgrund der kalten Nacht, mit einer dünnen Eisschicht überzogen war und deshalb praktisch unbegehbar. Ein anderes Pärchen, das etwa zur gleichen Zeit beim Fluss ankam wie wir, stand vor demselben Problem jedoch in entgegengesetzter Richtung. Sie kämpften sich schlussendlich auf dem Hosenboden rutschend über den Baumstamm...wenigstens hatten wir auf der anderen Seite noch einen Schluck warmen Tee für sie übrig. Wir entschieden uns diese Strapazen nicht auch noch auf uns zu nehmen und machten uns zusammen mit Eric und Mariah ( einem Pärchen aus Kalifornien) auf den Rückweg. Wir verstanden uns so gut mit den Zweien, dass wir gleich noch gemeinsam ins Tal hinunterwanderten zum Refugio Cajon del Azul.



Dieses Refugio stellte sich als wahre Trouvaille heraus! Obstbäume im Garten, Haustiere aller Art (vor allem viele Katzen :-), zur Begrüssung ein Matecito (der argentinische Nationaltee) - perfekt!



Später gabs dann noch selbstgebrautes Bier (das zwar eher wie saurer Most schmeckte, aber auf alle Fälle sehr erfrischend war) und noch viel später (ca. 10 Uhr, die normale argentinische Znachtzeit) gabs dann auch noch was zu Essen...und wie! Der Chef hatte die Milanesas selbst geschnitten und zart geklopft...da musste ich sogar als Vegi ein wenig probieren. Dazu gabs jede Menge Kartoffeln und Salat...mmmh!

Die Nacht im Zelt (trade-off zwischen Übernachtung oder Znacht im Refugio...) war jedoch etwa gleich kühl wie im Refugio am Tag zuvor. Am Morgen hatte sich am Aussenzelt statt Tauwasser Eis gebildet! Wir waren dementsprechend froh, dass wir für den Zmorgen wieder in die warme Hütte konnten.

Gemeinsam mit Eric und Mariah machten wir uns dann auf den Heimweg nach el Bolson. Zum Schluss "durften" wir nochmals über diese tolle Hängebrücke, die wir bereits am ersten Tag unserer Wanderung überquert hatten.



Von el Bolson gings dann weiter nach Bariloche - dem vermutlich schweizerischsten Teil Argentiniens, was uns neugierig und skeptisch zugleich machte :-)

Futaleufu

Von Futaleufu (abgekürzt einfach Futa) haben wir leider kein einziges Foto, da es während unseres Aufenthaltes mehrheitlich in Strömen regnete...

...trotzdem möchten wir hier einige Worte über die "Capital de aventura de Chile" verlieren. In Futa kann man (im Sommer) vor allem eins machen: Raften, Kajaken, Canyoning - einfach alles was mit Wildwasser zu tun hat. Im April haben sich jedoch die meisten (oft ausländischen) Rafting-Guides bereits aus dem Staub gemacht, um in wärmeren Gefielden ihrer Passion zu fröhnen. Zudem lud ja auch das Wetter nicht zu einem Wildwasserabenteuer ein (genug Wasser von oben für den Moment...)

Unterhaltsam wars in Futa aber trotzdem, vor allem weil wir Mike und Carolyn wieder trafen, die zwei Amis aus Oregon, die wir am Lago O'Higgins kennengelernt hatten. Die zwei hatten sich in der Nähe von Futa in einer gemütlichen Cabaña einquartiert, wohin sie uns zum Abendessen einluden. Gemeinsam mit den Besitzern der Cabaña (einer dort ansässigen Bauernfamilie) genossen wir also eine Gemüsesuppe à la Carloyn mit selbstgebackenem Brot und natürlich feinem chilenischen Wein.

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Weg nach el Bolson - zurück ins gute alte Argentinien.

Sunday, April 20, 2008

Parque Pumalin

Kaum in Chaiten angekommen, wurden wir von einem freundlichen Typen mit deutschem Akzent im Pickup mitgenommen. Nach kurzem Gespräch stellte sich heraus, dass er der Besitzer der Casa Hexagon ist, dem Hostel wo wir sowieso hinwollten - tip top! In der Casa Hexagon fühlten wir uns sofort wie zu Hause - was neben dem gemütlichen Ambiente wohl auch an den 2 Schweizerinnen (Rita und Rita) und dem Frühstückszopf lag... Und weil wir so Fan sind von diesem Hostel, jedoch vergessen haben Fotos davon zu machen, hier noch der Link zur Webseite: http://www.casahexagon.com/

Von Chaiten aus wollten wir eigentlich direkt in den Parque Pumalin - doch es kam mal wieder anders... Stefan (der Besitzer der Casa Hexagon) empfahl uns eine 3-tägige Küstenwanderung (ein Abschnitt des sendero de Chile), endlich mal was anderes als immer nur Berge! Also machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Santa Barbara, einem kleinen Nest an der Küste. Mit dabei war auch Rita aus Bern, die gerade ein Praktikum im Parque Pumalin macht.



Eine der Besonderheiten dieses Strandes ist der schwarze Sand - zum Laufen ist er genau gleich mühsam wie gelber, weisser oder roter Sand...



Vom Strand aus kann man hin und wieder Delfine und Seelöwen beobachten (natürlich gelang uns der perfekte Schnappschuss auch dieses Mal nicht :-)

Obwohl wir eigentlich auf dem Sendero de Chile entlangwanderten, war bald nicht mehr viel davon zu sehen. In Santa Barbara hatte es zwar noch ein (leeres) Infocenter und auch einige Holzpfosten mit Markierungen, aber schon nach einigen hundert Metern gab es nur noch einen kaum erkennbaren Pfad der Küste entlang. Wenigstens kann man sich am Strand schlecht verlaufen, solange das Meer auf der linken Seite ist, liegt man richtig..



Auf dem Weg gab es auch noch ein, zwei grössere Flüsse die ins Meer münden und die wir queren mussten. Hier etwa mit Hilfe einer Styropor-Fähre, die per Seil ans andere Ufer gezogen werden kann. Beim nächsten Fluss (Rio Blanco) gab es aber leider kein solches Styropor-Floss und wir standen vor der Wahl entweder durch den (ziemlich grossen und tiefen) Fluss zu waten bzw. schwimmen oder dem Fluss entlang zu laufen bis wir eine Brücke finden. Hmmmm... nach kurzer Beratung entschieden wir uns dann aber dafür, dass das Meer an und für sich ja schon gut und recht ist, wir aber eindeutig in die Berge gehören.



Also schlugen wir unser Zelt beim kleinen Refugio auf und machten uns am nächsten Morgen - ganz im Sinne der rollenden Planung - auf den Rückweg. Anstatt weitere drei Tage dem Pazifik entlangzulaufen, wollten wir noch etwas vom Parque Pumalin selber sehen.

Der Parque Pumalin ist übrigens kein eigentlicher Nationalpark, sondern mehr ein privates Schutzgebiet. Douglas Tompkins, ein Amerikaner und Mitinhaber von The North Face und Esprit, kaufte vor einigen Jahrzehnten das Land um es in einen privaten Nationalpark umzuwandeln. Schlussendlich kaufte er so viel Land auf, dass er in Chile auf erheblichen Widerstand seitens des Militärs und der Industrie stiess, welche die nationale Sicherheit einerseits und die Nutzung von Rohstoffen anderseits gefährdet sahen. Mittlerweile ist der Park (zwar nicht als Nationalpark aber..) als nationales Schutzgebiet deklariert worden. Im Park sieht man auch deutlich, dass einiges mehr Geld und Planung vorhanden ist, als bei den staatlichen Nationalparks..



Wieder zurück an der Carretera austral versuchten wir per Autostopp weiter in den Park zu gelangen. Nach etwa einer Stunde nahm uns dann auch tatsächlich ein Lieferwagen der Parkverwaltung mit, allerdings nur bis zum Camping El Volcan. Wir beschlossen hier erstmal zu übernachten und dann am nächsten Tag weiterzustöppeln. Der Camping war der reinste Luxus, eigener Unterstand mit Sitzplatz, fliessend Wasser, Aussicht auf den Vulkan, luxuriöse WC's und vor allem keine Nachbarn.



Am nächsten Morgen standen wir dann so um halb zehn an der Strasse um weiterzustöppeln... eine Stunde verging... zwei Stunden vergingen... immer noch kein Auto. Wir versuchten die Wartezeit mit etwas Impro-Boccia zu verkürzen, aber als nach drei Stunden immer noch kein Auto an uns vorbeifuhr, beschlossen wir unser Glück zu Fuss zu versuchen. Und siehe da, nach kaum zehn Minuten kam dann endlich ein Auto und nahm uns mit.



Unser Ziel waren die Alerces (Fitzroya cupressoides), eine Baumart, welche bis zu 3000 Jahre (!) alt werden kann und nur gerade in einem 250km breiten Streifen in Patagonien vorkommt.



Neben Mammutbäumen hat der Park aber auch noch einige wunderschöne Wasserfälle zu bieten.



Am nächsten Tag wollten wir wieder nach Chaiten, da wir hörten, dass es am Nachmittag noch einen Bus Richtung Futaleufu gibt. Aber auch diesmal hatten wir überhaupt kein Glück beim Stöppeln, wir warteten geschlagenen 4 Stunden, bis der (reguläre) Minibus kam und uns wieder zurück nach Chaiten brachte. Die Wartezeit vertrödelten wir mit ein wenig LandArt...

Zurück in Chaiten lief dann aber alles plötzlich reibungslos, wir konnten unsere frischgewaschene Wäsche abholen, Bustickets kaufen und hatten sogar noch Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen.



Mhhhhhhhmmmmm... Curanto! Das chilenische Nationalgericht! Einen grossen Teller voll Muscheln und Fleisch (und eine Kartoffel, aber die war wohl mehr Deko...).

Saturday, April 5, 2008

Carretera austral

Von Villa O'Higgins machten wir uns also auf der Carretera austral für gut 900 Kilometer zu folgen, über Schotterpisten und durch dichten Regenwald, bis zu ihrem nördlichen Ende in Chaiten.. Aber schön der Reihe nach:



Die erste Etappe sollte uns von Villa O'Higgins nach Cochrane führen. Der Minibus (der ja 3mal pro Woche fährt) war bis auf den letzten Hilfssitz gefüllt.. Die beiden Kanadier, welche mit uns im Refugio übernachteten wollten eigentlich auch noch mit, aber leider hatte es keinen Platz mehr. Mit dabei waren dafür: Heinz, mittlerweile unser chilenischer Fremdenführer, der dank deutschen Eltern und deutscher Schule in Santiago perfekt Deutsch spricht (und uns endlich all die chilenischen Dinge erklären konnte, die wir uns nie zu fragen getrauten); eine Gruppe Israelis, die anscheinend in Villa O'Higgins Pferde kaufen wollten (!!) um damit 2000km nach Norden zu reiten (ohne gross eine Ahnung von Pferden zu haben (2 davon sassen sogar noch nie auf einem Pferd..)); Don Faustino, der Einsiedler, den unser Boot irgendwo am Ufer des Lago O'Higgins auflas (und der mit einer orginal chilenischen Soldatenmütze aus dem 19 Jh. herumlief); und noch einige andere Chilenen, die wahrscheinlich einfach in die grosse Stadt mussten. Item, eine bunt zusammengewürfelte Reisegruppe.

Ach ja, (zum Foto:) dort wo es zu mühsam war eine Strasse zu bauen und gerade ein praktischer See oder Fjord zur Verfügung steht, gehts auch per Fähre weiter.



Ansonsten sieht die Carretera austral grössten Teils so aus: eine Schotterpiste, die sich durch wilde Täler und Wälder schlängelt. Nach 6 Stunden Rütteln und Schütteln kamen wir dann endlich in Cochrane an. Zwar etwas grösser als Villa O'Higgins aber nicht mit viel mehr touristischer Infrastruktur, weshalb wir dann am nächsten Tag gleich den Bus Richtung Coihayque nahmen. Hier verabschiedeten wir uns auch von Heinz, der uns noch erzählte, dass er gerade einigen Israelis begegnet war, die Pferde kaufen wollten...



Je weiter wir der Carretera austral nach Norden folgten, je bevölkerter sah es aus. Anstelle unberührten Wäldern gab es immer mehr Viehweiden und Häuser. Die Reise nach Coihayque führte uns an verschiedensten Seen entlang, einer schöner als der andere.



Leider hatten wir aber keine Zeit in der Gegend zu bleiben, da wir ja im Norden noch einige Treks machen wollen, bevor auch da der erste Schnee fällt. In Coihayque blieben wir deshalb auch nur einen Tag, obwohl wir doch seeehr fasziniert von einem rieeeesigen Supermarkt waren, der beinahe schon amerikanische Dimensionen aufwies und in dem man so exotische Dinge wie NoodleSoups, Sojasauce, verschiedenste (nochniegesehene) Pulver-saucen etc. kaufen konnte.



Unser nächstes Etappenziel war Puyuhuapi, ein kleines Nest an der Küste, etwa in der Hälfte zwischen Coihayque und Chaiten. Gegründet wurde Puyuhuapi in den dreissiger Jahren von vier Deutschen, davon ist aber nicht mehr viel zu sehen. Wir quartierten uns für zwei Tage in der Casa Ludwig ein, einem der wenigen alten, so richtig-deutsch-aussehenden Häuser. Die Übernachtungen kratzten zwar an der oberen Grenze unseres Budgets, dafür hatten wir aber wirklich ein sehr gemütliches Zimmer (siehe unten) mit toller Aussicht (siehe oben).



Am nächsten Tag statteten wir dem nahegelegenen Parque Nacional Quelat einen Besuch ab. Die Vegetation hat sich während unserer Reise auf der Carretera austral schon merklich verändert, alles ist noch ein wenig grüner, dichter und feuchter.






Trotzdem gibt es immer noch Gletscher, die bis in den Regenwald reichen, für uns Schweizer eine ziemlich ungewohnte Kombination..

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich wieder weiterziehen, obwohl in Puyuhuapi gerade ein kleines, lustiges Dorffest stattfand. Nachdem wir alle Sorten von Empanadas (Queso, Marisco, Carne,...) und auch allerlei Süssigkeiten von den Dorffrauen gekostet hatten, gingen wir um 3Uhr zur "Bushaltestelle". Der Typ dort hatte uns am Tag zuvor versichert, dass es sicher Platz auf diesem Bus haben würde und wir deshalb kein Billett benötigten. Wir waren dann doch sehr erstaunt als wir an der Haltestelle 14 Israelis antrafen, die ebenfalls auf den Bus wollten...
Als der Bus um 4 endlich angetuckert kam, stellten wir mit Erschrecken fest, dass er gerade mal 6 Plätze hatte. Komischerweise hatten 6 dieser Israelis Tickets für diese 6 Plätze (von wem? wie?) und durften deshalb als Einzige auf den Bus. Tja! Nach dieser Riiiesenzeitverschwendung versuchten wir es halt mit Autostopp (bzw. Lastwagenstopp, siehe Foto unten..) und kamen gegen Abend doch auch noch in la Junta an. Die Situation war irgendwie noch absurder durch die Tatsache, dass all diese wartenden Touris eigentlich nur ins nächste Kaff (la Junta) wollten, das ca. 45km von Puyuhuapi entfernt liegt. Wenn die Chilenen also etwas geschäftstüchtiger wären, hätten sie einfach schnell noch einen zweiten Bus organisieren können, der die restlichen Passagiere mitgenommen hätte. Aber schnelles Geld interessiert die Chilenen anscheinend nicht, wenn sie deswegen das Dorffest verpassen!



In La Junta sassen wir dann wiederum fest, da gerade Wochenende war und der nächste Bus nach Chaiten erst am Montag Morgen fuhr.. Na ja, wir haben uns ja schon fast daran gewöhnt, dass es auf der Carretera austral nicht so schnell vorwärtsgeht und machten das Beste draus: Nämlich den in jedem Chilenischen Kaff obligat vorhandenen Mirador (Aussichtspunkt) besteigen..



Wie üblich ist die Plaza das Grösste am Dorf...
Aber neben einer guten Aussicht hatte der Weg auch noch gigantische Bäume zu bieten.



Am nächsten Tag erreichten wir dann endlich das langersehnte Ziel: Chaiten!

El Chalten - Villa O'Higgins

..und so machten wir uns auf, die sagenumwobene Grenze nach Villa O'Higgins zu passieren. Was sich als einiges einfacher herausstellte als wir gedacht hatten..! Die Kurzversion sieht wie folgt aus: Bus von El Chalten zum Lago del Desierto -> mit dem Boot bis zum nördlichen Ende des Sees -> zu Fuss (mit allem Gepäck!) über die Grenze nach Candelario Mancilla -> per Boot auf dem Lago O'Higgins nach Villa O'Higgins. Voilà!



Bei schönstem Wetter gings dann also los. Auf der Fahrt zum Lago del Desierto konnten wir nochmals Fritzliboy bestaunen.



Auf dem Boot über den Lago del Desierto hatte es nur noch ein paar Tagestouristen und wir dachten schon, dass wir die Einzigen sind, die sich über die Grenze trauen. Im Verlauf des Tages trafen wir dann aber noch einige andere Trekker (und ein paar Velofahrer!) die einfach schon einen Tag früher aufgebrochen waren, dafür aber auch dem See entlang gelaufen waren, statt das Boot zu nehmen.



Hier stehen wir also vollbeladen, mit allem Krempel, den wir so mit uns durch Patagonien schleppen, vor der Grenzquerung. Dazu muss man sagen, dass wir normalerweise nur die Dinge auf die Treks mitnehmen die wir wirklich brauchen und all den Rest im Hostel zurücklassen. Dafür brauchten wir hier nur Verpflegung für zwei Tage mitzuschleppen. Die Rucksäcke waren aber trotzdem ziemlich schwer..



Nach der Ausreise bei einem kleinen Grenzposten auf der argentinischen Seite und zwei Stunden laufen, hiess es dann adios Argentina...



..und bienvenido Chile! Die Chilenen wollen übrigens sicherstellen, dass auch ja niemand zufällig über die Grenze stolpert und haben deshalb alle 10 meter ein kleines Chile-Schild an den nächsten Baum genagelt..
Da wir trotz grossen Rucksäcken schneller unterwegs waren als gedacht, liefen wir an diesem Tag noch die ganze Strecke bis Candelario Mancilla, einer kleinen Estancia am Ufer des Lago O'Higgins. Zu unserer Entscheidung beigetragen hat vor allem die Aussicht auf gemütliches Ausschlafen am nächsten Tag und die Möglichkeit, dass es bei der Estancia Bier gibt.. gabs dann aber leider nicht, dafür feines, selbergebackenes Brot.



Aber bevor wir unser Zelt aufschlagen konnten, mussten wir noch schnell die chilenischen Grenzformalitäten erledigen. Mit illegaler Wurst und Käse aus Argentinien im Rucksack! (Aus irgendwelchen Tierseuchentechnischen Gründen, darf man keine frischen Lebensmittel nach Chile einführen - was das Trekken im Grenzgebiet doch sehr verkompliziert..) Aber wir zitterten umsonst, der chilenische Grenzposten bestand aus ein paar Baracken mit Hühnern und Hunden und der Carabiniero interessierte sich nicht für unser Gepäck..



Nach einem Tag Faulenzen und mit den paar anderen Trekkern Häckisack spielen, gings dann am Nachmittag aufs Boot Richtung Villa O'Higgins. Dieses Boot fährt nur jeden Samstag, weshalb der Grenzübergang nicht so rege benutzt wird (und natürlich weil man all sein Gepäck selber tragen muss).



Auf dem Lago O'Higgins hatten wir eine tolle Sicht auf die letzten Schneeberge des Südpatagonischen Eisfeldes. Der See heisst übrigens nur auf der chilenischen Seite Lago O'Higgins, für die Argentinier ist dies der Lago San Martin, was doch noch zu Verwirrungen führen kann. Ein weiteres Beispiel, dass sich die Chilenen und Argentinier nicht so mögen..



Nach einer gut dreistündigen Bootsfahrt kamen wir schliesslich in Villa O'Higgins an. Auf dem Weg musste das Boot aber noch kurz halten um Don Faustino aufzuladen, einen 75-jährigen Opa, der alleine irgendwo am Ufer des Sees lebt.. Das Boot ist das einzige Transportmittel das es hier gibt.



Voilá: Villa O'Higgins, ein winziges Kaff am Ende der Carretera austral (welche erst seit 2000 hierhin führt). Der Ort ist nicht wirklich auf den Tourismus eingestellt, so ist es etwa nicht ganz einfach ein Restaurant zu finden.. Es gibt zwar etwa dreieinhalb, aber davon sind zwei geschlossen und bei dem Einen, welches wir am Abend unserer Ankunft endlich fanden, gabs entweder Suppe oder Bifstek a lo Pobre (Fleisch mit Pommesfrittes und Spiegelei..)! Aber egal, wir waren schon froh überhaupt etwas zu Essen zu finden.



Da der nächste Bus Richtung Norden erst in zwei Tagen fuhr, hatten wir noch Zeit, einen kurzen Trek in der Gegend zu machen. Dem Rio Mosco folgten wir in ein wildes Tal, dessen Hänge von feuchtem Wald bedeckt sind. Anscheinend ist diese Gegend auch eine der letzten Hochburgen des Huemuls, einem seltenen Reh-Viech, das wir aber natürlich nie zu Gesicht bekamen.



Praktischerweise gab es auf diesem Trek ein kleines aber herziges Refugio, weshalb wir unser Zelt für einmal nicht mitschleppen mussten (dafür eine Flasche Wein, damit der Rucksack nicht zu leicht wird..). Das Refugio ist gratis, aber auch sehr basic: Schlafen kann man auf dem Tisch oder auf dem Boden, dafür hats einen Ofen (gut, ein altes ölfass mit Schornstein), den man einheizen kann.



Wir bekamen noch Besuch von Josh und Eden, einem kanadischen Pärchen, welches auch schon mit uns über den Lago O'Higgins tuckerte. Trotz etlichen Abwehrversuchen ist ihnen einer der vielen Hunde aus Villa O'Higgins nachgelaufen und wollte einfach nicht wieder heim... Naja, wir erlaubten ihm dann bei uns zu bleiben und versuchten ihn so gut es ging durchzufüttern (mit Brot und Frühstücksflocken..).



In der Nacht wurde es dann doch ziemlich kühl, weshalb der Hund sich eine praktische Wärmequelle suchte ;)



Am nächsten Tag erkundeten wir (immer noch mit Hund!) das Tal bis es vor lauter Wildbach und Schotterhängen einfach nicht weiterging und machten uns anschliessend auf den Rückweg nach Villa O'Higgins. Der Hund war wahrscheinlich froh, endlich wieder etwas anständiges zu Essen zu finden..

A propos Essen, an dem Abend hatten auch wir einige Schwierigkeiten etwas zu finden, da das eine Restaurant das wir kannten geschlossen war. Nach viel herumfragen und mit der Hilfe von Heinz, einem Chilenen den wir in unserem Hostel trafen, klopften wir an eine Tür, hinter dem sich anscheinend ein Restaurant verstecken sollte. Die verschlafene Frau die uns öffnete war doch einigermassen erstaunt hungrige Gäste zu sehen und musste zuerst mal nachschauen, was sie uns den überhaupt kochen könnte.. Fleisch und Kartoffeln hatte sie aber zum Glück noch, weshalb es wieder mal Bifsteck mit Papas Fritas gab. Bier dazu mussten wir uns aber im Laden nebenan kaufen...