Kaum in Bariloche aus dem Bus ausgestiegen, trafen wir auch schon Eric und Mariah wieder, die beiden Kalifornier, die wir auf dem Trek in El Bolson kennenlernten. Sie sind ein paar Stunden früher angekommen und gaben uns auch gleich einen guten Tip zum Übernachten. Im so ziemlich grössten und hässlichsten Gebäude von Bariloche gibts eine Señora die kleine Studios für den gleichen Preis wie ein Hostelbett vermietet. Und tatsächlich, für bloss 40 Pesos (so etwa 13 Fr.) pro Person hatten wir ein kleines aber sehr gemütliches Apartement mit kleiner Küche, eigenem Badezimmer und vor allem einer tollen Aussicht über Bariloche und den Lago Nahuel Huapi (siehe Foto unten)!
Bariloche sieht aus wie eine strube Mischung aus Schweiz, Tirol und Argentinien. Auf der Plaza gibt es Bernhardiner inklusive Schnapsfässchen um den Hals zum Fotografieren, jeder dritte Laden verkauft selbergemachte Schoggi und sogar Fondue gibts. Aber wir waren ja nicht in Bariloche un das Heimweh zu bekämpfen, sondern um wieder einmal richtige Berge zu sehen.
Nachdem wir uns beim lokalen Club Andino über die Route und Refugios erkundigten, brachen wir ohne Zelt, dafür mit viel Verpflegung auf einen der bekanntesten Treks in Argentinien auf, die Nahuel Huapi Traverse. Wieder dabei waren auch Eric und Mariah, die sich für den gleichen Trek entschieden haben.
Der erste Tag führte uns vom Skigebiet Villa Catedral durch herbstliche Lenga-Wälder zum Refugio Frey. Eigentlich wie in der Schweiz, ausser dass die Nadelbäume fehlen und Bambus als Unterwuchs doch ziemlich komisch ist.. Nach einem langen Aufstieg kamen wir dann endlich beim Refugio Frey an und fühlten uns gleich schon sehr heimisch, da das Refugio sich als veritable SAC-Hütte herausstellte.
Wir waren auf alle Fälle froh am Abend in der warmen Hütte zu sitzen und uns die Zeit mit Backgammon spielen und Hüttenkatze streicheln zu vertreiben. Nach unbestätigten Angaben des Hüttenwartes wurde es über Nacht nämlich -15 Grad kalt (vielleicht ein wenig übertrieben, aber der kleine See hinter der Hütte war jedenfalls halb zugefroren am nächsten Morgen..). Im Hintergrund des Fotos ist übrigens noch der Cerro Catdral zu sehen, der seinen Namen den vielen Granitnadeln zu verdanken hat und im Sommer ein wahres Kletterparadies ist..
Am nächsten Morgen ging es dann zwar bei sehr frischen Temperaturen, aber strahlend schönem Wetter auf die zweite Tagesetappe. Kurz zusammengefasst: Steil rauf, steil runter, nicht ganz so steil rauf und dafür umso steiler wieder runter.
Vom ersten Pass aus (Cancha de Futbòl (heisst wahrscheinlich so, weil es da eine kleine, sandige Fläche gibt, auf der man vielleicht Fussballspielen könnte. Wäre aber eine sehr undankbare Sache für die Balljungen..)) hatte man zum ersten Mal eine unglaubliche Rundsicht über den Lago Nahuel Huapi und die umliegenden Bergspitzen. Die Kletterei dafür hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Dank losem Geröll war der folgende seeehr steile Abstieg nicht ganz so schlimm.. eigentlich fast wie skifahren. Einmal unten angekommen ging es dann diesem zauberhaften Bergtal entlang dem nächsten Pass entgegen.
Auch hier bot sich uns wieder ein super Panorama und man konnte sogar schon das Ziel unserer Etappe sehen, das Refugio Jakob (am entsprechenden See). Nach einer weiteren Runde Geröllskifahren mussten wir uns noch durch Schlamm und Schnee kämpfen bis wir endlich das Refugio erreichten. Auch hier konnte sich der Hüttenstandard mit jeder Schweizer SAC-Hütte messen. Nach gemütlichem Mate-Schlürfen, Z´Nachtkochen, lustigem-Kartenspiel-spielen-mit Eric-und-Mariah (und einem Medizinstudenten aus Salt Lake City), Schoggimoussedessertessen und struben-argentinischen-Tango-hören (Pococapetepel..??) gings dann in die wohlverdienten warmen Schlafsäcke.
Eigentlich spielten wir noch mit dem Gedanken, am nächsten Tag einen etwas hochalpineren Weg zum nächsten Refugio zu nehmen, aber als wir am Morgen aus der Hütte schauten, bot sich uns der obenstehende Anblick.. Schnee bis fast zur Hütte und definitiv auf dem Weg zum Refugio Lago Negra. Wir entschlossen uns deshalb für das Schlechtwetterprogramm und machten uns auf den Abstieg nach Colonia Suiza (!!!).
Die Wettergötter waren uns aber auch heute milde gestimmt und nach einer halben Stunde Wanderung regnete es nur noch von den Bäumen und Bambusstauden. Der Abstieg führte uns durch ein wildes Tal gesäumt von frischverschneiten Bergkuppen.
Am Ende des Tales angekommen fühlten wir uns zuerst mal wie an der italienischen Mittelmeerküste. Sandstrand, azurblaues Wasser, Zypressen.. auf der Schotterpiste ging es dann noch für einige Kilometer diesem See entlang bis zur Colonia Suiza, einem kleinen Nest, das Ende des 19 Jh. von zwei Brüdern aus dem Unterwallis gegründet wurde.
Und tatsächlich gab es dann auch jenste Zeichen der schweizer Gründerväter... sogar ein eigenes Bier!!!
Welches wir uns nach diesem Trek natürlich verdient hatten..!
Auf der Suche nach einem Hostel lief uns dann sogar noch ein zahmes (und höchstwahrscheinlich schizophrenes (es dachte es sei ein Hund..)) Guanaco nach! Am Abend mussten wir natürlich noch testen, ob die hier wirklich Fondue machen können.. und tatsächlich war das Fondue sehr fein, wenn auch die Beilagen zum im Käse tunken etwas ausgefallen waren (Rüebli, Champignon, Wursträdchen...). Wir fanden sogar einen guten argentinischen Weisswein dazu (was imfall wirklich nicht so einfach ist!)
Zurück in Bariloche hiess es dann Abschiednehmen von Eric und Mariah, welche nach Mendoza zum Weintrinken weiterreisten. Nach einem gemeinsamen Abschiedsessen (oder auch übrig-gebliebener-Proviant-fertigessen) ging es auch für uns wieder weiter. Nächstes Ziel: Osorno (wieder mal Chile) !


























