Monday, April 28, 2008

El Bolson

Die Fahrt zurück nach Argentinien entpuppte sich als kleiner Kulturschock für uns...

...nach zwei Wochen Carretera austral, kleinen Bussen und Holperstrassen, sassen wir ab der argentinischen Grenze plötzlich wieder in einem ziemlich komfortablen Bus. Und erst der Schock als wir in der nächstgrösseren Stadt (Esquel) ankamen: ein riiiesen Busterminal, Cafes, Läden - wir waren uns das alles gar nicht mehr gewöhnt. Zum Glück gings nach kurzem Aufenthalt gleich weiter ins kleinere und gemütlichere el Bolson.

Wir hatten vor, von el Bolson aus einen 3-Tage Trek "around Hielo Azul" (ein Gletscher in der Region) zu machen. Wir mussten unsere Route jedoch ein wenig abändern, nachdem wir vom Clubo andino erfahren hatten, dass eine Brücke dieses Treks im Moment nicht passierbar ist.

Guten Mutes machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg...jedoch kaum eine halbe Stunde unterwegs begann es in Strömen zu regnen. Tja, wenigstens mal eine Gelegenheit all unsere Regenausrüstung zu tragen, die wir normalerweise vergebens im Rucksack mitschleppen. Wir konnten jedoch nicht ahnen, dass es ohne Unterbruch bis am Abend weiterregnen würde - sonst hätten wir den 1000m Anstieg vielleicht nicht in Angriff genommen.



Wenigstens wartete am Ende unserer Strapazen ein gemütliches Hüttchen auf uns, wo wir als erstes den Ofen anheizten, um all unsere nassen Sachen zu trocknen.



Die Aussicht vom Refugio el Natacion sah übrigens etwa so aus:



Trotz Ofen wurde es eine eher kühle Nacht, da die Hütte äusserst schlecht isoliert war (Plastikfolienfenster und Ritzen überall) - wir waren deshalb froh, als wir uns am Morgen in den ersten Sonnenstrahlen aufwärmen konnten.



Wir wollten diesen definitiv viiiiel freundlicheren Tag nutzen, um einen Ausflug zum Refugio Hielo azul zu machen, das entlang unserer ursprünglich geplanten Route lag.



Um zu diesem Refugio zu gelangen, hätten wir aber noch dieses Flüsschen queren müssen...
...die offizielle Brücke darüber bestand aus einem Baumstamm, der aber aufgrund der kalten Nacht, mit einer dünnen Eisschicht überzogen war und deshalb praktisch unbegehbar. Ein anderes Pärchen, das etwa zur gleichen Zeit beim Fluss ankam wie wir, stand vor demselben Problem jedoch in entgegengesetzter Richtung. Sie kämpften sich schlussendlich auf dem Hosenboden rutschend über den Baumstamm...wenigstens hatten wir auf der anderen Seite noch einen Schluck warmen Tee für sie übrig. Wir entschieden uns diese Strapazen nicht auch noch auf uns zu nehmen und machten uns zusammen mit Eric und Mariah ( einem Pärchen aus Kalifornien) auf den Rückweg. Wir verstanden uns so gut mit den Zweien, dass wir gleich noch gemeinsam ins Tal hinunterwanderten zum Refugio Cajon del Azul.



Dieses Refugio stellte sich als wahre Trouvaille heraus! Obstbäume im Garten, Haustiere aller Art (vor allem viele Katzen :-), zur Begrüssung ein Matecito (der argentinische Nationaltee) - perfekt!



Später gabs dann noch selbstgebrautes Bier (das zwar eher wie saurer Most schmeckte, aber auf alle Fälle sehr erfrischend war) und noch viel später (ca. 10 Uhr, die normale argentinische Znachtzeit) gabs dann auch noch was zu Essen...und wie! Der Chef hatte die Milanesas selbst geschnitten und zart geklopft...da musste ich sogar als Vegi ein wenig probieren. Dazu gabs jede Menge Kartoffeln und Salat...mmmh!

Die Nacht im Zelt (trade-off zwischen Übernachtung oder Znacht im Refugio...) war jedoch etwa gleich kühl wie im Refugio am Tag zuvor. Am Morgen hatte sich am Aussenzelt statt Tauwasser Eis gebildet! Wir waren dementsprechend froh, dass wir für den Zmorgen wieder in die warme Hütte konnten.

Gemeinsam mit Eric und Mariah machten wir uns dann auf den Heimweg nach el Bolson. Zum Schluss "durften" wir nochmals über diese tolle Hängebrücke, die wir bereits am ersten Tag unserer Wanderung überquert hatten.



Von el Bolson gings dann weiter nach Bariloche - dem vermutlich schweizerischsten Teil Argentiniens, was uns neugierig und skeptisch zugleich machte :-)

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