Von Chaiten aus wollten wir eigentlich direkt in den Parque Pumalin - doch es kam mal wieder anders... Stefan (der Besitzer der Casa Hexagon) empfahl uns eine 3-tägige Küstenwanderung (ein Abschnitt des sendero de Chile), endlich mal was anderes als immer nur Berge! Also machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Santa Barbara, einem kleinen Nest an der Küste. Mit dabei war auch Rita aus Bern, die gerade ein Praktikum im Parque Pumalin macht.
Eine der Besonderheiten dieses Strandes ist der schwarze Sand - zum Laufen ist er genau gleich mühsam wie gelber, weisser oder roter Sand...
Vom Strand aus kann man hin und wieder Delfine und Seelöwen beobachten (natürlich gelang uns der perfekte Schnappschuss auch dieses Mal nicht :-)
Obwohl wir eigentlich auf dem Sendero de Chile entlangwanderten, war bald nicht mehr viel davon zu sehen. In Santa Barbara hatte es zwar noch ein (leeres) Infocenter und auch einige Holzpfosten mit Markierungen, aber schon nach einigen hundert Metern gab es nur noch einen kaum erkennbaren Pfad der Küste entlang. Wenigstens kann man sich am Strand schlecht verlaufen, solange das Meer auf der linken Seite ist, liegt man richtig..
Auf dem Weg gab es auch noch ein, zwei grössere Flüsse die ins Meer münden und die wir queren mussten. Hier etwa mit Hilfe einer Styropor-Fähre, die per Seil ans andere Ufer gezogen werden kann. Beim nächsten Fluss (Rio Blanco) gab es aber leider kein solches Styropor-Floss und wir standen vor der Wahl entweder durch den (ziemlich grossen und tiefen) Fluss zu waten bzw. schwimmen oder dem Fluss entlang zu laufen bis wir eine Brücke finden. Hmmmm... nach kurzer Beratung entschieden wir uns dann aber dafür, dass das Meer an und für sich ja schon gut und recht ist, wir aber eindeutig in die Berge gehören.
Also schlugen wir unser Zelt beim kleinen Refugio auf und machten uns am nächsten Morgen - ganz im Sinne der rollenden Planung - auf den Rückweg. Anstatt weitere drei Tage dem Pazifik entlangzulaufen, wollten wir noch etwas vom Parque Pumalin selber sehen.
Der Parque Pumalin ist übrigens kein eigentlicher Nationalpark, sondern mehr ein privates Schutzgebiet. Douglas Tompkins, ein Amerikaner und Mitinhaber von The North Face und Esprit, kaufte vor einigen Jahrzehnten das Land um es in einen privaten Nationalpark umzuwandeln. Schlussendlich kaufte er so viel Land auf, dass er in Chile auf erheblichen Widerstand seitens des Militärs und der Industrie stiess, welche die nationale Sicherheit einerseits und die Nutzung von Rohstoffen anderseits gefährdet sahen. Mittlerweile ist der Park (zwar nicht als Nationalpark aber..) als nationales Schutzgebiet deklariert worden. Im Park sieht man auch deutlich, dass einiges mehr Geld und Planung vorhanden ist, als bei den staatlichen Nationalparks..
Wieder zurück an der Carretera austral versuchten wir per Autostopp weiter in den Park zu gelangen. Nach etwa einer Stunde nahm uns dann auch tatsächlich ein Lieferwagen der Parkverwaltung mit, allerdings nur bis zum Camping El Volcan. Wir beschlossen hier erstmal zu übernachten und dann am nächsten Tag weiterzustöppeln. Der Camping war der reinste Luxus, eigener Unterstand mit Sitzplatz, fliessend Wasser, Aussicht auf den Vulkan, luxuriöse WC's und vor allem keine Nachbarn.
Am nächsten Morgen standen wir dann so um halb zehn an der Strasse um weiterzustöppeln... eine Stunde verging... zwei Stunden vergingen... immer noch kein Auto. Wir versuchten die Wartezeit mit etwas Impro-Boccia zu verkürzen, aber als nach drei Stunden immer noch kein Auto an uns vorbeifuhr, beschlossen wir unser Glück zu Fuss zu versuchen. Und siehe da, nach kaum zehn Minuten kam dann endlich ein Auto und nahm uns mit.
Unser Ziel waren die Alerces (Fitzroya cupressoides), eine Baumart, welche bis zu 3000 Jahre (!) alt werden kann und nur gerade in einem 250km breiten Streifen in Patagonien vorkommt.
Neben Mammutbäumen hat der Park aber auch noch einige wunderschöne Wasserfälle zu bieten.
Am nächsten Tag wollten wir wieder nach Chaiten, da wir hörten, dass es am Nachmittag noch einen Bus Richtung Futaleufu gibt. Aber auch diesmal hatten wir überhaupt kein Glück beim Stöppeln, wir warteten geschlagenen 4 Stunden, bis der (reguläre) Minibus kam und uns wieder zurück nach Chaiten brachte. Die Wartezeit vertrödelten wir mit ein wenig LandArt...
Zurück in Chaiten lief dann aber alles plötzlich reibungslos, wir konnten unsere frischgewaschene Wäsche abholen, Bustickets kaufen und hatten sogar noch Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen.
Mhhhhhhhmmmmm... Curanto! Das chilenische Nationalgericht! Einen grossen Teller voll Muscheln und Fleisch (und eine Kartoffel, aber die war wohl mehr Deko...).

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