Eigentlich waren in unserem Trekkingguide 6 Tage für diesen Trek eingeplant, aber Thomas vom Suizandina meinte, in 4 Tagen sei das also gut zu schaffen...ja guet, dänn halt!
Schon nach kurzer Wanderzeit, sah man den Lonquimay zwischen den Araucarias auftauchen (ja, die gabs auch hier zu Hauf).
Auf der anderen Seite konnte man den Vulkan Llaima sehen, der bereits auf der Villarrica Traverse in der Ferne zu erkennen gewesen war.
Trotz einigen sonnigen, warmen Tagen vor dem Trek, lag immer noch ein wenig von dem Schnee, den es vor ca. 1 Woche gegeben hatte. Kein echtes Hindernis, aber doch ein Zeichen, dass die Trekkingsaison wirklich langsam zu Ende ist...auch für so angefressene wie uns!
Nach dem Schnee kam das grosse (!) Lavafeld - ein Gelände mit dem Chreschi anscheinend viel weniger vertraut ist als mit dem Schnee, denn er stolperte innert kurzer Zeit gleich zweimal und schürfte sich dabei Hände und Knie auf (mit diesen spitzigen Lavasteinen ist nicht zu spassen). Und ein Unglück kommt ja angeblich selten allein: zu den blutigen Knien kam auch noch eine halbausgeleerte Bierdose in Chreschis Rucksack hinzu...definitiv nicht sein Tag! Zudem dämmerte es bereits langsam und wir hatten immer noch kein fliessend Wasser gefunden...hmmm.
Schlussendlich beschlossen wir, unser Zelt am nächstbesten Ort aufzuschlagen und Schnee zu schmelzen, um Wasser zu bekommen (von dem hatte es zum Glück auch hier noch einige Flecken). Da darf man sich zu recht fragen, warum wir all diese Strapazen auf uns nehmen...
...Antwort: Darum!
Nach einer tüchtigen Portion Schlaf und einer Tasse Kaffee sah die Welt am nächsten Morgen gleich schon viel freundlicher aus: kein Lavafeld mehr zu queren und nach einer halben Stunde wandern plötzlich reichlich fliessend Wasser (anscheinend alles eine Frage der Exposition).
Am zweiten Tag folgte die Route grösstenteils einer alten Fortsstrasse, so dass wir zügig vorwärtskamen und die Stolpergefahr nur noch sehr gering war.
Inzwischen hatten wir den Lonquimay bereits halb umrundet und sahen nun seine Rückseite (umrahmt von imposanten Araucarias).
Kurz vor Mittag kamen wir noch an diesem Schild vorbei, dessen Bedeutung uns nicht ganz klar wurde...Achtung, unterspülte Meeresklippe? Oder Erosion im Gange?
Aber an mysteriöse Schilder hatten wir uns bereits gewöhnt...der Wasserhahn am Tag zuvor funktionierte jedenfalls auch nicht wie er sollte!
Am späteren Nachmittag mussten wir noch einen kleinen Bach durchwaten...schön erfrischend! Eine kleine Kneippkur für die Füsse.
Kurz vor Sonnenuntergang (wieder mal ein langer Wandertag) erreichten wir den Zeltplatz und ich hatte beinah das Gefühl ich sei zu Hause, so sehr erinnerten mich die Berge hier an die Falkniskette.
Tag 3: Mal wieder eine kühle Nacht und dementsprechend Raureif am Morgen. Wir freuten uns deshalb sehr, als endlich die Sonne hinter dem Falknis aufging und wir uns aufwärmen konnten.
Auch an diesem Tag hiess es wieder Strassenwandern und zwar immer nur rauf, rauf, rauf (insgesamt mehr als 1000 Höhenmeter).
Strassenwandern ist zwar angenehm für die Füsse, aber auf Dauer doch etwas langweilig, wenns links und rechts nur Wald hat.
Zum Glück kam bald wieder der Lonquimay in Sicht und der davorliegende Crater Navidad, der 1998 ausgebrochen ist und das riesige Lavafeld im Vordergrund zurückgelassen hat.
Wirklich riesig!
Für die nächsten drei Stunden wanderten wir mal wieder durch "desolate moonscape" ähnlich wie bei der Laguna Blanca auf der Villarrica Traverse. In dieser Landschaft verliert man irgendwie jegliches Zeitgefühl...einfach endlos schwarzer Sand.
Und einmal mehr hatten wir pünktlich zum Sonnenuntergang unser Zelt aufgestellt!
Und was für ein Sonnenuntergang!
Der dritte Tag sollte eigentlich gemütliches Zurückwandern zum Suizandina sein und ich war deshalb am Morgen bester Laune. Und Chreschi meinte diese 4-Tage-Haare-nicht-gewaschen-Frisur sei definitiv ein Foto wert.
Der Heimweg wurde dann aber doch noch etwas abenteuerlicher als gedacht. Anscheinend waren die Chilenen etwas faul beim Markieren dieses Wegabschnitts, so dass man höchstens alle 500m an einem Markierungspfosten vorbeikam...in offenem Gelände kein Problem, aber wenn der Weg durch Bambusdickicht führt eher mühsam! Mit etwas Glück und mit Hilfe unseres Trekkingguides fanden wir den fast ganz überwucherten Trampelpfad im Wald dann aber doch und standen schon bald vor dem letzten Pass dieser Wanderung.
Oben auf dem Pass angekommen, gabs zwar kein Schild mit Höhenangabe, dafür aber mal wieder eine dieser mysteriösen Tafeln...diesmal mit einem ausgebleichten Kondor drauf, der aber weit und breit nicht zu sehen war (vielleicht weil er so bleich ist?).
Hinunter gings dann schnell auf dem Lavafeld...einzige Schwierigkeit waren die fiesen Tuco Tuco Löcher. Tuco Tucos sind hamsterartige Viecher, die im Lavasand ihre Gänge graben. Ausser Maulwurfartigen Hügeln sieht man nichts von ihrer Aktivität und sie selbst schon erst recht nicht. Und so wandert man nichts böses ahnend übers Lavafeld und sackt plötzlich ein wie im Treibsand, weil man mal wieder auf einen dieser f***ing Tuco Tuco Gänge getreten ist.
Der Rest des Weges war denn echt Schoggi wie man sieht. Und so kamen wir endlich mal vor Sonnenuntergang an unserem Ziel an, nämlich bereits um drei Uhr nachmittags...jeeeeh!
Zurück im Suiznadina waren die Vorbereitungen fürs Barbecue am Abend schon voll im Gange. Tom schmiss für die hungrigen Wanderer noch ein Kilo mehr Fleisch (bzw. Gemüse) auf den Grill und wir fühlten uns wie im Schlaraffenland.
Und am Sonntag machten wir einfach rein gar nichts ausser faulenzen und lesen...auch das muss zwischendurch sein!

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