Nach zwei eher ruhigen Tagen gings dann weiter nach Pucòn, welches zu unserer Überraschung wieder seeeehr touristisch war. Nach einigem In-der-Stadt-Herumlaufen fanden wir (& ein lustiger Ire) ein gemütliches und sehr billiges Zimmerchen. Wir wollten uns zuerst einmal umhören, ob trekken überhaupt noch möglich sei (wir waren noch ein wenig Frost-geschädigt von Bariloche) und fanden heraus, dass die Villarrica-Traverse eigentlich noch machbar wäre. Im Gegensatz zu allen anderen Touristen in Pucón wollten wir nur um den Vulkan Villarrica herumlaufen und nicht auf ihn hinauf, was uns einige erstaunte Blicke von den Tour-Anbietern einbrachte..
Der 5 (oder6) -Tage-Trek beginnt bei einem Skigebiet am Fuss des Vulkans Villarrica. Wir fuhren mit einer Ladung geführter Vulkan-Besteiger dorthin und machten uns dann mal auf den Weg. Die Stimmung war typisch herbstlich: Nebelmeer im Tal, rot-goldene Laubbäume entlang des Wegs...fast wie in der Schweiz, wenn da der Vulkan und die schwarzen Lavafelder nicht gewesen wären.
Obwohl wir wussten, dass es hier komische Bäume gibt, waren wir dann doch sehr baff, als plötzlich vor uns im Laubwald die ersten Araucarias auftauchten.
Diese komischen Nadelbäume stellen unserer Meinung nach das Bindeglied zwischen Dinosauriern und Bäumen dar, aber das ist wiederum eine andere Geschichte.. Auf jeden Fall will man diesen Dingern nicht im Dunkeln begegnen.
Besonders die Kombination mit ganz gewöhnlichen Laubbäumen ist doch recht gewöhnungsbedürftig. Die Samen der Auracaria sind übrigens essbar und schauen aus wie übergrosse Pinienkerne. Roh schmecken sie leider nicht so besonders aber geröstet oder gekocht sind sie wie harzige Marroni..
Am ersten Abend schlugen wir unser Zelt am Fusse des Volcan Villarrica auf, einer der schönsten Zeltplätze unserer bisherigen Patagonienreise (very scenic in all directions..). Der einzige Mangel am Zeltplatz war das relativ trübe Gletscherwasser, das wir vor dem Trinken noch filtern und sedimentieren mussten, um ständiges Knirschen zwischen den Zähnen zu vermeiden!
Am Abend wurde es dann noch richtig kitschig: Sonnenuntergang im (Nebel-)meer - traumhaft.
Als wir uns am nächsten Morgen an den Abwasch machen wollten, staunten wir nicht schlecht, dass der Bach über Nacht abgestellt worden war...kein Tropfen Wasser mehr! Im Guide hatten wir zwar schon gelesen, dass Wasser in Vulkangebieten schnell versickert und insbesondere am Morgen schwer zu finden sei - aber dass da gleich ganze Bäche verschwinden war doch sehr erstaunlich.
Na wenigstens reichte unser Wasser vom vorherigen Abend noch für einen Kaffee, sonst wäre Chreschi wohl nicht weit gekommen.
Auch am zweiten Tag gings mit viel Aussicht weiter. Im Hintergrund zu sehen ist der Volcan Lanin, mit 3776 m einer der höchsten Vulkane der Region, und übrigens auch der Endpunkt unseres Treks (nicht der Gipfel, aber der Fuss). Die Suche nach Wasser führte uns durch unzählige trockene Flussbetter (wo gemäss Guide sprudelnde Bergbäche fliessen sollten) und endete schliesslich an einer Felswand, wo das Wasser tropfenweise herabrann. Nach minutenlangem Flaschenfüllen konnten wir uns endlich wieder auf die Weiterwanderung machen.
Am Ende des Tages, nach der halben Umrundung des Villarrica, gings dann noch über alpine Rasen und Araucaria-Laub-Mischwälder ins Tal hinab, wo wir unser zweites Nachtlager an einem weiteren sedimenthaltigem Bächlein aufschlugen. Vorsichtshalber füllten wir am Abend noch alle möglichen Gefässe mit Wasser, aber am nächsten Morgen floss der Bach natürlich immer noch (und zwar klarer als am Abend zuvor)...
Nachdem wir am zweiten Tag steil hinab ins Tal gestiegen waren, gings am dritten Tag fast ebensoviele Höhenmeter wieder hinauf...wieder mal einer dieser Tage an denen man den Rucksack lieber einem Esel aufladen möchte.
Immerhin gabs während des Auftiegs immer mal wieder Gelegenheit die Aussicht zu geniessen...sieht ein bisschen aus wie ein Bild von Caspar David Friedrich, oder?
Viele, viele Höhenmeter später erreichten wir den höchsten Punkt des Tages, einen kleinen Aussichtspunkt auf nicht ganz 1800m. Die Aussicht war wie das Wetter wieder mal Atemberaubend. Neben dem Volcan Lanin (im Hintergrund), waren noch 4 andere Vulkane zu sehen...
... unter anderem auch der Volcan Llaima (ganz weit im Hintergrund). Obwohl der Vulkan ziemlich weit entfernt war sah man hin und wieder eine kleine, schwarze Rauchwolke aus dem Vulkan aufsteigen. Nun, auch aus dem Volcan Villarrica stieg die ganze Zeit (weisser) Rauch auf, also dachten wir uns nicht so viel dabei. Wie sollen wir als Schweizer schon wissen, was für die Vulkane hier normal ist... Auf jeden Fall erfuhren wir nach unserer Rückkehr in Pucón, dass schwarzer Rauch also überhaupt nicht normal ist und der Volcan Llaima an diesem Tag einen kleineren Ausbruch hatte..!! (Aber natürlich bei weitem nicht so schlimm, wie der Ausbruch des Volcan Chaitén, eine Woche später).
Weiter gings dann einem wunderschönen Grat entlang, inmitten leuchtend roter Südbuchen. Als dann auch noch ein Propellerflugzeug über uns hinwegflog, fühlten wir uns komplett wie auf einer Herbstwanderung im Schweizer Jura.. Die langsam untergehende Sonne tauchte zudem alles noch in ein wunderschönes, goldenes Licht.
Mit den letzten Sonnenstrahlen schlugen wir unser Zelt an einem wiederum sehr gemütlichen Plätzchen auf. Leider reichte die Sonne knapp nicht mehr zum gemütlich Z'Nachtessen..
Auch am nächsten Morgen war es wieder super Wetter, aber seeeehr kalt! Die Sonne liess zum Glück nicht lange auf sich warten und wärmte uns beim Müesliessen und Kafitrinken wieder auf. Unser Tagesziel war eigentlich Laguna Blanca, aber irgendwie kam es dann doch wieder anders...
Zuerst mussten wir aber noch ein kleines Pässchen überqueren, wo wir doch tatsächlich eine Zwiebel fanden!! Irgendjemand muss die wohl verloren haben und wir hatten natürlich nichts gegen eine Aufwertung unseres Speiseplans.. Beim Abstieg hatten wir einen tollen Blick über die Laguna Azul (guter Name) ein wunderschön gelegenes Bergseelein.
Nach der Laguna Azul wars dann für eine Weile vorbei mit alpinen Rasen. Die nächsten paar Stunden wanderten wir durch Lavafelder und Schotterebenen, eine sehr karge Mondlandschaft. Da wir aus irgendeinem Grund ziemlich schnell unterwegs waren, konnten wir beim Mittagshalt schon unser eigentliches Etappenziel sehen, Laguna Blanca. Auch dieser See machte seinem Namen alle Ehre, aber uns nicht so an. Also entschieden wir uns noch ein paar Stunden anzuhängen und auch noch gleich die nächste Tagesettappe unter die Wanderschuhe zu nehmen.
Nach einem kleinen Abstecher auf argentinisches Territorium und einem Rudel hochalpiner Wildschweine erreichten wir den höchsten Punkt unseres Treks, wieder mal mit einer unglaublichen Aussicht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wählten wir diesen Trek zum besten, den wir bisher in Patagonien gemacht hatten.
Auch diesen Abend entschieden wir uns für einen Zeltplatz mit Aussicht. Eigentlich wäre der offizielle Platz noch etwa eine Stunde entfernt gewesen, aber erstens waren unsere Beine doch schon ziemlich schwer und zweitens gefällt es uns oberhalb der Baumgrenze einfach besser.. Am Abend sahen wir dann zum ersten Mal einige kleine Zirren am Himmel, Vorboten für schlechtes Wetter?
Und wie!! Am nächsten Morgen war alles grau in grau. Zum Glück war dies auch schon der letzte Tag unseres Treks und wir mussten nur noch das Tal hinauslaufen. Der Nebel lichtete sich dann auch schon einige Höhenmeter weiter unten und wir sahen später sogar noch einige Sonnenstrahlen. Gegen Mittag erreichten wir dann das Ende unseres Treks, ein winziges Kaff namens Puesco, das eigentlich nur aus zwei Häusern, einem Polizeiposten und dem Parkbüro bestand. Busse gab es natürlich keine, weshalb wir unser Glück mit Autostopp versuchen mussten.
Beim Warten leisteten uns noch einige Hunde und Katzen Gesellschaft, die dann auch ganz enttäuscht waren, als uns dann endlich ein Pickup mitnahm. Nach 5 superschönen Tagen waren wir wieder zurück in Pucón, wo wir zuerst mal einige Ruhetage einlegten.
Pucón ist nicht nur bekannt für den Villarrica-Vulkan, sondern auch für die vielen heissen Quellen in der Umgebung. Obwohl es am nächsten Tag in Strömen regnete, konnten wir uns diese nicht entgehen lassen und entspannten uns für einige Stunden in dem wirklich ziemlich heissen Pool. Wirklich einfach das Beste nach einer langen Wanderung..!

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