Friday, August 29, 2008

Yukon

Seit ungefähr sechseinhalb Monaten sind wir jetzt neben viel umherreisen vor allem am Trekken. Davon können wir zwar nur schwer genug kriegen, aber etwas Abwechslung muss hin und wieder auch mal sein, weshalb wir uns entschlossen mal das kanadische Fortbewegungsmittel Nummer 1 auszuprobieren: Kanu. Da die nächstmögliche gute Kanu-paddel-strecke (Bowron Lakes, eine Kanu-rund-paddelung über 4 Seen) wiedermal bis September ausgebucht war und wir eigentlich immer noch auf dem Weg Richtung Alaska sind, beschlossen wir unser Glück im Yukon zu probieren. Bis Whitehorse lagen noch rund 1500 km Highway vor uns, also tankten wir Suzy voll und machten uns mal auf den Weg..



Die ersten paar Tage waren die Wettergötter unserer Reise nicht gerade wohlgesinnt, von Hagelsturm bis Sintflut gabs Niederschlag in allen Formen.



Doch eines Abends liess sich die Sonne endlich wieder mal blicken und tauchte die Hügel rund um Muncho Lake in goldenes Licht.



Von nun hatten wir die Sonne wieder auf unserer Seite, was eigentlich nicht so zu den heissen Quellen passte, die wir auf dem Weg besuchten.. Das Wasser war stellenweise so heiss, das man es nur kurze Zeit aushielt. Gewitterregen hätte hier besser gepasst.



Auch botanisch gabs allerhand interessantes am Weg- bzw. Highwayrand zu entdecken: droseras!



Der Alaska Highway ist zwar auch für die vielen Tierbeobachtungen bekannt, aber dass wir gleich einem Schwarzbären beim Büffel-Snack zuschauen konnten, ist wahrscheinlich eher ungewöhnlich.. Der Büffel fiel wohl dem Strassenverkehr zum Opfer, worauf sich der Schwarzbär nicht lange bitten liess.



Vier Tage und einige Tankstopps später erreichten wir endlich Whitehorse. Von hier kann man auf den Spuren des Goldrush in 16 Tagen auf dem Yukon bis Dawson City paddeln. Mehr als zwei Wochen paddeln waren uns dann aber doch ein wenig lang, zum Glück kann man auch nur die Hälfte davon machen und nach 8 Tagen in Carmacks anlanden. Die ganze Ausrüstung zu mieten war überhaupt kein Problem, die Leute im Kanuladen wollten nicht mal wissen ob wir schon je in so einem Ding gesessen sind.. Kann ja auch nicht so schwer sein! Nachdem wir allen Proviant besorgt und verladen und Suzy schon mal in Carmacks abgestellt hatten konnte es also losgehen!



Am ersten Tag konnten wir uns noch gemütlich den Yukon hinuntertreiben lassen und mussten nur hin und wieder zu den Paddeln greifen. Kurz vor Lake Laberge suchten wir uns einen gemütlichen Zeltplatz und kochten uns was Feines. Da wir beim Einkaufen für einmal nicht auf das Gewicht schauen mussten, da so ein Kanu ziemlich beladen werden kann, hatten wir sogar frische Früchte (und eine Kiste Bier..) dabei! Welch Luxus!!



Zu Beginn des zweiten Tages erreichten wir dann Lake Laberge, einen ziemlich langen See, den es entlang zu paddeln galt. Bei schlechtem Wetter und Wind kann es hier ziemliche Wellen geben, weshalb der See auch das gefährlichste Hindernis der ganzen Strecke darstellt. Bei uns wehte aber gerade mal ein laues Lüftchen, sogar zu wenig um ein Segel zu improvisieren, also gabs nur eins: paddeln, paddeln, paddeln!



Unzählige Paddelschläge später legten wir in einer einsamen Bucht an und staunten nicht schlecht als wir da ein Schild entdeckten auf dem SCHWÖRER EICH stand. Des Rätsels Lösung: Meine Eltern und mein ältester Bruder paddelten diese Strecke vor fünf Jahren und fügten ihr Holzschild zu den vielen anderen Schildern. Bibi liess es sich selbstverständlich nicht nehmen und fügte noch ihr eigenes Schild mit MANNES M'FELD hinzu..



Da wir mittlerweile schon ziemlich hoch im Norden sind, gibts die kitschigen Sonnenuntergänge erst ziemlich spät am Abend. Mit Schaudern erinnerten wir uns and die letzten paar Wanderungen in Patagonien, als die Sonne schon um halb fünf unterging.. Hier oben wirds erst so gegen halb elf dunkel.



Auch am zweiten Tag auf See paddelten wir uns ziemliche Muckis an..Obwohl es immer ewig dauert, bis man die nächste Bucht durchpaddelt, kann man in so einem Kanu ziemlich Strecke machen. Mittlerweile waren wir auch schon ziemlich gut im geradeauspaddeln, was übrigens gar nicht so einfach ist, da man immer aus irgendeinem Grund (Wind, Strömung, grösseres Paddel..) auf die eine oder andere Seite abdriftet.



Am letzten Tag auf dem Lake Laberge (und mittlerweile der vierte Tag am Paddeln) gabs dann auch noch einige Wellen. So einfach liess uns der See also nicht weiterziehen.. Zum Glück hatten wir schon fast den ganzen See durchquert und mussten nur noch einige Kilometer bis zum Ende paddeln.Trotzdem schaukelte es also ganz schön..



Heil und fast trocken erreichten wir Lower Laberge, früher mal eine kleine Siedlung mit Polizeistation und Telegraphenamt, heute ein paar halbzerfallene Hütten und dieser rostige Truck.



Wieder auf dem Yukon, genossen wir es, uns einfach wieder treiben lassen zu können. Der Fluss hat teilweise ziemlich Strömung, was zwar paddeltechnisch super ist, aber das anlanden und ablegen nicht ganz einfach macht. Nach einigem Üben erwischten wir die Eddys jedoch ganz gut.



Bisher waren wir ziemlich alleine auf dem Yukon unterwegs, weshalb wir dann doch sehr erstaunt waren, als wir beinahe von einem Piratenfloss geentert wurden..



Auf dem Yukon waren nach dem grossen Goldrush jenste grosse Schaufelraddampfer unterwegs, bis 1955 dann eine Strasse nach Dawson City gebaut wurde. Einige dieser Dampfer verrotten jetzt am Ufer und geben tolle Fotosujets ab.



Neben verlotterten Dampfern, paddelten wir auch an einigen weiteren verlassenen Siedlungen vorbei, Mit dem Bau der Strasse wurden nicht nur die Dampfer, sondern auch alle Siedlungen am Yukon überflüssig, so dass es am Ufer immer wieder alte, zerfallene Blockhütten oder Friedhöfe zu besichtigen gibt. All diese maximal hundert Jahre alten Gebäude gelten hier in Kanada bereits als archäologische Fundstätten, deshalb darf man auf keinen Fall irgendwelchen Krempel mitnehmen..



Das Wetter wurde irgendwie immer ungemütlicher. Der Nordwind führte vor allem am Morgen zu kalten Fingern, und über Nacht gabs auch vereinzelte Regenschauer. Trotzdem schaffte es die Sonne jeden Tag noch kurz zwischen zwei Wolkenbänken hindurchzuscheinen, so dass wir all unser feuchtes Zeugs trocknen konnten.



Von Wildlife war auf der ganzen Strecke bisher ziemlich wenig zu sehen.. Doch plötzlich sahen wir am Ufer ein dunkles Knäuel zum Fluss tapsen: Ein Stachelschwein! Zuerst liess es sich nicht so stören, aber als wir langsam vorbeitrieben zeigte es uns noch schnell seine Stacheln. So einem Viech will man wirklich nicht zu Nahe kommen. Ansonsten sahen wir noch einige Weisskopfseeadler und einen Mink (so ein Wieselding aus dem man Fellmäntel macht), sonst weder Bären noch Elche.



Als die Sonne sich am zweitletzten Tag wieder mal blicken liess, glitzerte es plötzlich im Ufersand.. GOLD! Der Pfannendeckel wurde deshalb kurzerhand zur Goldwaschpfanne umfunktioniert und tatsächlich blieben einige Goldflitterchen im Deckel zurück. Leider nur ziemlich winzige, weshalb wir unser Reisebudget nicht aufpeppen konnten und weiterhin im Zelt übernachten müssen..



Tja und dann, nach 8 Tagen und so ungefähr 300 km kam auch schon Carmacks in Sicht. Und wie's so sein muss, fünf Minuten bevor wir an unserem Zielort anlandeten fings an zu regnen.. Gerade noch mal Schwein gehabt. Suzy wartete brav auf uns und so gings dann wieder im Trockenen weiter Richtung Dawson City. Ob wir dort oben mehr Glück im Goldwaschen haben erfahrt ihr im nächsten Blog.

Saturday, August 23, 2008

Mt. Robson

Nachdem wir uns beim Mount Robson Visitor Center erfolgreich ein backcountry permit ergattert hatten, gings am nächsten Tag auch gleich schon los. Nach knapp einer Stunde hatte sich die Wanderung bereits gelohnt: Kinney Lake



Weiter gings durchs Valley of the thousand falls, wos tatsächlich unzählige Wasserfälle gibt.





Beim Monarch Fall kann man sogar ganz nah ran (wird dabei aber ziemlich nass...). Im Hintergrund sieht man übrigens Mount Robson.



Nach dem letzten steilen Schlussaufstieg waren wir schon fast am Ziel - Berg Lake. Vom Mount Robson fliessen zwei (noch) relativ grosse Gletscher in den Berg (bzw. Mist) Lake.



Endlich (nach Patagonien) konnten wir wieder mal einem Gletscher beim Kalbern zuschauen. Obwohl wir wie üblich meist nur noch das Donnergrollen hörten und den eigentlichen Abbruch nicht zu Gesicht bekamen.



Beim Zeltplatz angekommen, mussten wir uns erstmal von der 21km langen Wanderung erholen und was gibts da Besseres als einfach das Bergpanorama zu geniessen (und ein Bierchen dazu zu trinken).



...mit Abendrot!



Am nächsten Morgen machten wir uns mit leichtem Gepäck auf den Weg zum snowbird pass, der eigentlich gar kein richtiger Pass ist, da einem auf der anderen Seite bloss ein riesiges Schneefeld erwartet.



Nach kurzer Zeit kam bereits der Robson Glacier in Sicht und wurde Schritt für Schritt grösser und imposanter.



Uns selbst in diesem kargen Gletschervorfeld tummeln sich noch groundsquirrels und marmots. Dieser Vertreter war besonders neugierig und wäre wohl schon bald in unserem Rucksack verschwunden, wenn wir nicht aufgepasst hätten.



Und näher und näher kam der Gletscher (bzw. wir ihm) und manchmal hatte man fast das Gefühl man sei im Aletschgebiet gelandet.



Nach einigen Minuten mehr auf der Seitenmoräne, kam dann auch noch der Mt. Robson selbst in Blickfeld (übrigens der höchste Berg der kanadischen Rockies). Nachdem wir den Berg nun fast vollständig umrundet hatten, fragten wir uns ernsthaft auf welcher Route die Erstbesteigung 1906 gelungen war - irgendwie ist der Cheib auf allen Seiten furchtbar steil!



Viel besser konnte es ja gar nicht mehr werden, dachten wir uns, als der Weg von der Seitenmoräne abzweigte und in ein Hochtal mit alpinem Rasen führte...genau unser Röscho!



Warum sich im Fichtenwald abkämpfen, wenn man sowas haben kann! Von jetzt an bestehen wir auf waldlosen Wanderungen...



Kurz vor der Passhöhe wurde es nochmals etwas stotzig, aber dann wars auch schon geschafft. Auf der anderen Seite gabs tatsächlich nur Schnee und Eis.



Auf dem Rückweg sah man natürlich (einmal mehr) den Mt. Robson - aber so schnell verleidet der einem ja nicht.



Und wieder schier endlose Seitenmoräne - ihr kennt das ja schon...



Und dann plötzlich noch so ein richtiges Steinmandli! Exakt dieses Steinmandli wurde übrigens auch zum Logo der olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver gewählt.



Wieder beim Zeltplatz angekommen, gabs noch ein erfrischendes Bad im Berg Lake, was jedoch gar nicht so einfach ist, da der See an dieser Stelle bloss knapp knöcheltief war. Im Hintergrund prasselt übrigens noch ein wenig Gletscher in den See (als ob das Wasser nicht schon kalt genug wäre...).



Am nächsten Tag gings die ganzen 21km wieder zurück zum Ausgangspunkt.



Man muss also nicht unbedingt diese ganze lange Wanderung machen, um den Mt. Robson zu sehen, denn auch von der Strasse aus hat man eine tolle Aussicht auf den Berg (aber natürlich nur auf eine Seite...).

Nun waren wir also doch noch in den Genuss einer Wanderung in den kanadischen Rockies gekommen. Jetzt hiess es "due north" quer durch BC und in den Yukon (im wahrsten Sinn des Wortes), aber davon später mehr.

Tuesday, August 12, 2008

Banff / Jasper

Unser erstes Ziel auf kanadischem Boden war der berühmte Banff National Park. Bereits der Weg dorthin durch die Kananaskis Mountain war lohnenswert - schon bald entdeckten wir auch die ersten wilden Tiere...



ah nein, das waren doch erst die Hauskühe, die auf der Strasse rumspazierten. Aber kurz darauf sahen wir dann echte Wildgeissen beziehungsweise Bighornsheep:



Die versammeln sich gerne in der Nähe der Strasse um Salz zu schlecken. Natürlich verursachte das Ganze sogleich einen kleinen Verkehrsstau, jedoch nicht ganz so schlimm wie die Bär- und Bisonstaus im Yellowstone.

Ein Besuch im Banff National Park lohnt sich wirklich, aber man sollte nicht (so wie wir) das verlängerte Wochenende des State Holiday auswählen, an welchem es noch mehr Volk hat als im Juli/August sowieso schon da ist. Zum Glück gibts in der Nähe von Banff ein Camping mit 618(!) Zelt- und RV-Plätzen - da fanden selbst wir noch Unterschlupf. Am Eingang wurden wir gleich mit der Information begrüsst, dass täglich Bären im Camping rumspazieren und dass wir sehr "likely" sind auch einen zu sehen - hoppla! Was wir dann aber schlussendlich bei unserem Zeltplatz zu Gesicht bekamen war kein Bär, sondern eine Eule, auch kein ganz alltäglicher Anblick:



Und die vielen Leute waren nicht nur auf dem Camping und überall in Banff (so dass man kaum mehr einen freien Parkplatz fand), sondern auch in unserem geliebten backcountry was soviel heisst wie: alle schönen Wanderungen waren schon ausgebucht. Und auf alles unterhalb der Waldgrenze liessen wir uns nach unseren Erfahrungen im Glacier NP schon gar nicht mehr ein.

Deshalb machten wir uns schon bald auf die Weiterreise nach Lake Louise, wo natürlich die Touristenmasse bereits auf uns wartete. Aber wie das ja so ist mit Massen, sie kommen meist nicht weit. Und so waren am Ende des ca. 2km langen Lake Shore Trails nur noch gerade ein Dutzend Spaziergänger übrig.



Wir lernten zudem auch, dass Lake Louise ein beliebtes Klettergebiet ist. Christoph wäre wohl auch gleich in die Wand gestiegen, wenn er sein Material dabei gehabt hätte. So blieb es halt beim Zuschauen:



Fast ebenso beliebt wie Lake Louise ist der nahe gelegene Moraine Lake im Valley of the ten Peaks:



Momoll, wir waren beeindruckt! Aber das Naturerlebnis ist halt nie ganz das Gleiche, wenn man es mit einer Horde anderer Touris teilen muss, deren einziges Ziel es ist, das quirrlige Chipmunk am Wegrand zu fotografieren...

Erschöpft von all dem Gedrängel und Gefötel, zogen wir uns auf den Zeltplatz zurück, der übrigens von einem elektrisch geladenen Zaun umgeben ist. Ein Pilotprojekt zum Schutz von Mensch UND Bär!

Und um zu zeigen, wie wichtig uns ein regelmässiges update unseres Blogs ist, hier ein Bild zum Beweis:



Dank unserem neu erworbenen Autobatterieadapter können wir nun jederzeit offline bloggen - ein Lob auf die moderne Technik und natürlich Suzy!



Und weiter gings auf dem very scenic Icefield Parkway - klick, klick, klick, Richtung Jasper, vorbei am Columbia Icefield, das man in einem Gletscherbus besichtigen kann (es gibt nichts, das man nicht vermarkten kann...), an Wasserfällen, türkisblauen Seen und nicht zuletzt Mountain Goats (auch die lieben das Salz auf der Strasse):



Auch wenn Jasper National Park etwas weniger besucht ist als Banff, waren an diesem Wochenende doch genügend Leute da, um alle vorhandenen Zeltplätze zu füllen. Und so wurden wie halt ins "overflow camping" abgeschoben, das sich aber als gar nicht so übel herausstellte. Es gab zwar kein fliessend Wasser, aber dafür konnte man sein Zelt aufstellen, wo man wollte.



Am nächsten Tag versuchten wir unser Glück mit einem backcountry permit im Jasper National Park. Da das verlängerte Wochenende nun vorbei war, sollte das ja nicht mehr so ein Problem sein. Falsch gedacht! Der Skyline Trail im Jasper NP ist so beliebt, dass er für die nächsten 2 Monate ausgebucht ist! Da wird ja wandern richtig exklusiv. Sehnsüchtig dachten wir an unsere Zeit in Patagonien zurück, wo man noch schräg angeschaut wurde, wenn man mit grossem Rucksack und Plänen für eine mehrtägige Wanderung aufkreuzte...

Also blieb uns nur noch die Flucht nach vorne in den Mt. Robson Provincial Park. Und siehe da, wenn man es am wenigsten erwartet, klappt es plötzlich mit dem backcountry permit...aber davon im nächsten Blog mehr.