Die ersten paar Tage waren die Wettergötter unserer Reise nicht gerade wohlgesinnt, von Hagelsturm bis Sintflut gabs Niederschlag in allen Formen.
Doch eines Abends liess sich die Sonne endlich wieder mal blicken und tauchte die Hügel rund um Muncho Lake in goldenes Licht.
Von nun hatten wir die Sonne wieder auf unserer Seite, was eigentlich nicht so zu den heissen Quellen passte, die wir auf dem Weg besuchten.. Das Wasser war stellenweise so heiss, das man es nur kurze Zeit aushielt. Gewitterregen hätte hier besser gepasst.
Auch botanisch gabs allerhand interessantes am Weg- bzw. Highwayrand zu entdecken: droseras!
Der Alaska Highway ist zwar auch für die vielen Tierbeobachtungen bekannt, aber dass wir gleich einem Schwarzbären beim Büffel-Snack zuschauen konnten, ist wahrscheinlich eher ungewöhnlich.. Der Büffel fiel wohl dem Strassenverkehr zum Opfer, worauf sich der Schwarzbär nicht lange bitten liess.
Vier Tage und einige Tankstopps später erreichten wir endlich Whitehorse. Von hier kann man auf den Spuren des Goldrush in 16 Tagen auf dem Yukon bis Dawson City paddeln. Mehr als zwei Wochen paddeln waren uns dann aber doch ein wenig lang, zum Glück kann man auch nur die Hälfte davon machen und nach 8 Tagen in Carmacks anlanden. Die ganze Ausrüstung zu mieten war überhaupt kein Problem, die Leute im Kanuladen wollten nicht mal wissen ob wir schon je in so einem Ding gesessen sind.. Kann ja auch nicht so schwer sein! Nachdem wir allen Proviant besorgt und verladen und Suzy schon mal in Carmacks abgestellt hatten konnte es also losgehen!
Am ersten Tag konnten wir uns noch gemütlich den Yukon hinuntertreiben lassen und mussten nur hin und wieder zu den Paddeln greifen. Kurz vor Lake Laberge suchten wir uns einen gemütlichen Zeltplatz und kochten uns was Feines. Da wir beim Einkaufen für einmal nicht auf das Gewicht schauen mussten, da so ein Kanu ziemlich beladen werden kann, hatten wir sogar frische Früchte (und eine Kiste Bier..) dabei! Welch Luxus!!
Zu Beginn des zweiten Tages erreichten wir dann Lake Laberge, einen ziemlich langen See, den es entlang zu paddeln galt. Bei schlechtem Wetter und Wind kann es hier ziemliche Wellen geben, weshalb der See auch das gefährlichste Hindernis der ganzen Strecke darstellt. Bei uns wehte aber gerade mal ein laues Lüftchen, sogar zu wenig um ein Segel zu improvisieren, also gabs nur eins: paddeln, paddeln, paddeln!
Unzählige Paddelschläge später legten wir in einer einsamen Bucht an und staunten nicht schlecht als wir da ein Schild entdeckten auf dem SCHWÖRER EICH stand. Des Rätsels Lösung: Meine Eltern und mein ältester Bruder paddelten diese Strecke vor fünf Jahren und fügten ihr Holzschild zu den vielen anderen Schildern. Bibi liess es sich selbstverständlich nicht nehmen und fügte noch ihr eigenes Schild mit MANNES M'FELD hinzu..
Da wir mittlerweile schon ziemlich hoch im Norden sind, gibts die kitschigen Sonnenuntergänge erst ziemlich spät am Abend. Mit Schaudern erinnerten wir uns and die letzten paar Wanderungen in Patagonien, als die Sonne schon um halb fünf unterging.. Hier oben wirds erst so gegen halb elf dunkel.
Auch am zweiten Tag auf See paddelten wir uns ziemliche Muckis an..Obwohl es immer ewig dauert, bis man die nächste Bucht durchpaddelt, kann man in so einem Kanu ziemlich Strecke machen. Mittlerweile waren wir auch schon ziemlich gut im geradeauspaddeln, was übrigens gar nicht so einfach ist, da man immer aus irgendeinem Grund (Wind, Strömung, grösseres Paddel..) auf die eine oder andere Seite abdriftet.
Am letzten Tag auf dem Lake Laberge (und mittlerweile der vierte Tag am Paddeln) gabs dann auch noch einige Wellen. So einfach liess uns der See also nicht weiterziehen.. Zum Glück hatten wir schon fast den ganzen See durchquert und mussten nur noch einige Kilometer bis zum Ende paddeln.Trotzdem schaukelte es also ganz schön..
Heil und fast trocken erreichten wir Lower Laberge, früher mal eine kleine Siedlung mit Polizeistation und Telegraphenamt, heute ein paar halbzerfallene Hütten und dieser rostige Truck.
Wieder auf dem Yukon, genossen wir es, uns einfach wieder treiben lassen zu können. Der Fluss hat teilweise ziemlich Strömung, was zwar paddeltechnisch super ist, aber das anlanden und ablegen nicht ganz einfach macht. Nach einigem Üben erwischten wir die Eddys jedoch ganz gut.
Bisher waren wir ziemlich alleine auf dem Yukon unterwegs, weshalb wir dann doch sehr erstaunt waren, als wir beinahe von einem Piratenfloss geentert wurden..
Auf dem Yukon waren nach dem grossen Goldrush jenste grosse Schaufelraddampfer unterwegs, bis 1955 dann eine Strasse nach Dawson City gebaut wurde. Einige dieser Dampfer verrotten jetzt am Ufer und geben tolle Fotosujets ab.
Neben verlotterten Dampfern, paddelten wir auch an einigen weiteren verlassenen Siedlungen vorbei, Mit dem Bau der Strasse wurden nicht nur die Dampfer, sondern auch alle Siedlungen am Yukon überflüssig, so dass es am Ufer immer wieder alte, zerfallene Blockhütten oder Friedhöfe zu besichtigen gibt. All diese maximal hundert Jahre alten Gebäude gelten hier in Kanada bereits als archäologische Fundstätten, deshalb darf man auf keinen Fall irgendwelchen Krempel mitnehmen..
Das Wetter wurde irgendwie immer ungemütlicher. Der Nordwind führte vor allem am Morgen zu kalten Fingern, und über Nacht gabs auch vereinzelte Regenschauer. Trotzdem schaffte es die Sonne jeden Tag noch kurz zwischen zwei Wolkenbänken hindurchzuscheinen, so dass wir all unser feuchtes Zeugs trocknen konnten.
Von Wildlife war auf der ganzen Strecke bisher ziemlich wenig zu sehen.. Doch plötzlich sahen wir am Ufer ein dunkles Knäuel zum Fluss tapsen: Ein Stachelschwein! Zuerst liess es sich nicht so stören, aber als wir langsam vorbeitrieben zeigte es uns noch schnell seine Stacheln. So einem Viech will man wirklich nicht zu Nahe kommen. Ansonsten sahen wir noch einige Weisskopfseeadler und einen Mink (so ein Wieselding aus dem man Fellmäntel macht), sonst weder Bären noch Elche.
Als die Sonne sich am zweitletzten Tag wieder mal blicken liess, glitzerte es plötzlich im Ufersand.. GOLD! Der Pfannendeckel wurde deshalb kurzerhand zur Goldwaschpfanne umfunktioniert und tatsächlich blieben einige Goldflitterchen im Deckel zurück. Leider nur ziemlich winzige, weshalb wir unser Reisebudget nicht aufpeppen konnten und weiterhin im Zelt übernachten müssen..
Tja und dann, nach 8 Tagen und so ungefähr 300 km kam auch schon Carmacks in Sicht. Und wie's so sein muss, fünf Minuten bevor wir an unserem Zielort anlandeten fings an zu regnen.. Gerade noch mal Schwein gehabt. Suzy wartete brav auf uns und so gings dann wieder im Trockenen weiter Richtung Dawson City. Ob wir dort oben mehr Glück im Goldwaschen haben erfahrt ihr im nächsten Blog.
