Monday, August 4, 2008

Yellowstone

Yellowstone bedeutet nicht nur viele wilde Tiere und Geysire, sondern auch Horden von Touristen in Shorts und Turnschuhen, mit dicken Kameras und noch dickeren Motorhomes.. Und am meisten Touris hat's natürlich bei der grössten Sehenswürdigkeit des Parks: Old Faithful.



Zusammen mit Kreti&Pleti warteten wir also auf den nächsten Ausbruch dieses Geysirs, der so ungefähr alle 90 min kochendes Wasser bis zu 30m in den Himmel spuckt. Beim kleinsten Geblubber wurden da schon auf allen Seiten Filmkameras in Position gebracht und hastig noch ein paar vorsorgliche Familienfotos geknipst - doch der Geysir liess sich Zeit und startete seine Show mit ein paar Minuten Verspätung.



Was dann zugegebenermassen doch ziemlich eindrücklich war. So ein bisschen wie der Jet d'eau in Genf, nur mit mehr Gezische und Gefauche.



Eine gute Viertelstunde Spazierweg weg vom Old Faithful gabs dann schon viel weniger Touris und noch mehr Geysire und Hot Pools. Die Farben stammen übrigens von termophilen Bakterien die am Rand der Pools leben.



Per Zufall liefen wir dann noch an einem gerade ausbrechenden Geysir vorbei. Im Gegensatz zu Old Faithful, sind die meisten anderen Geysire schwer bis gar nicht vorauszusagen, oder brechen nur alle paar Stunden bis Tage aus. Was sie natürlich als Sehenswürdigkeit nicht so attraktiv macht.



Weil gerade Hochsaison ist im Park hatten wir ziemliche Schwierigkeiten noch einen freien Campingplatz zu finden und mussten einmal quer durch den ganzen Park fahren bis wir dann endlich bei Mammoth Hot Springs fündig wurden.

Am nächsten Morgen schauten wir beim Backcountry Office vorbei, da wir schleunigst weg von den Touri-Massen und raus in die Wildnis wollten. Am Tag zuvor rieten uns die Ranger weiter im Süden unten noch von Wanderungen in den Bergen ab, weils anscheinend noch viel zu viel Schnee hat ("do you guys have snowshoes..?"). In Mammoth sah der zuständige Ranger das dann nicht mehr ganz so eng und so bastelten wir uns eine 4-Tageswanderung in der Gallatine Range im Nordwesten des Parks zusammen. Bevor wir aufbrechen konnten, mussten wir aber noch ein Video über Bären und alle die anderen Gefahren die da draussen lauern anschauen.



Nachdem wir unseren Proviant im örtlichen General Store aufgestockt hatten und noch kurz bei den Sinterterrassen vorbeischauten (da gibts sogar ein Drive-Through-Loop, damit die Amis nicht mal aus dem Auto aussteigen müssen..!) gings dann auch schon los.



Durch Sagebrush (das mintgrüne Gestrüpp) und offene Wälder wanderten wir bis Fawn Lake. Unterwegs trafen wir noch einen Ranger mit Pferd und Schnauz, der uns erzählte, dass er weiter oben zwei Grizzlies gesehen habe..



Fawn Lake war dann leider kein klares Bergseeli, sondern stellte sich als verlandender Waldtümpel heraus. Dementsprechend ein ziemliches Mückenparadies. Dafür konnten wir bei Dämmerung noch zwei Elche (Männlein+Weiblein) beim Grasen beobachten, gerade mal 50m von unserem Zelt entfernt!



Am Abend zuvor stellten wir bei näherer Betrachtung unserer Karte fest, dass Tag 2 ziemlich streng wird: 16 Meilen + über einen Pass. Umgerechnet also gut 26km.. Zudem führt uns die Route quer durch Bear Management Area (siehe Foto) und möglicherweise durch Schnee auf dem Pass.. ob das wohl gut kommt?



Auf dem Pass lag dann aber überhaupt kein Schnee und die einzigen Viecher die wir zu Gesicht bekamen, waren zwei junge Hirsche, welche uns bei der Mittagspause überraschten.



Auch am zweiten Tag wanderten wir wieder durch Wiesen voller Wildblumen (hier z.B. Indian Paintbrush (rot) und Lein (blau)). Als wir noch etwa 10 Minuten vor unserem Zeltplatz entfernt waren, stand dann plötzlich noch ein Schwarzbär auf dem Weg. Nach einem kurzen Blick in unsere Richtung machte er aber gleich rechtsumkehrt und hoppelte ins Gebüsch davon. Gut zu wissen, dass das viele "Hey bär! Hey bär!"-Rufen und das Esswaren-aufhängen also wirklich seine Gründe hat (wir spekulierten schon, dass diese Bärengeschichten blosses Gerücht sind..).



Am Abend liessen die schwarzen Gewitterwolken auch noch einige Tropfen fallen.. Zu unserem Glück teilten wir den Zeltplatz mit einer Familie aus Pennsylvania, welche ein kleines Tarp dabei hatten. So konnten wir unser Nachtessen im Trocknen köcherlen.



Am nächsten Tag zogen die Gewitterwolken bereits am Morgen auf und die ersten Tropfen fielen noch vor unserer Mittagspause.. Dazu kamen noch unzählige Mücken welche uns das Wandern schwer machten und ein schlammiger Weg durch düsteren Fichtenwald. Das einzige positive war, dass wir nur gerade 8 Meilen zu bewältigen hatten und bereits am frühen Nachmittag an unserem Zeltplatz ankamen. Wenig später konnten wir unsere durchnässten Schuhe (und Füsse) an einem kleinen Feuerchen trocknen.



Und nach dem Gewitter folgte dann auch schon bald der Regenbogen..



Sonne und Regen wechselten sich noch den ganzen Abend in schneller Reihenfolge ab.. Dummerweise regnete es genau dann in Strömen, als wir unser Znacht fertig gekocht hatten.. Naja, dank Feuer und genügend Holznachschub, war alles schnell wieder trocken.

Ach ja, gerade als wir unser Zelt aufstellen wollten, hörten wir ein verdächtiges Schnauben hinter uns. Als wir dem Geräusch nachgingen, sahen wir drei Otter von einem Felsen in den Sportsman Lake hoppeln und dort ihre Runden schwimmen!



An unserem letzten Wandertag zeigte sich das Wetter wieder von seiner besten Seite. Leider wurden die am Vorabend mühsam am Feuer getrocknetet Schuhe gleich wieder nass, als wir eine taugetränkte Wiese queren mussten..



Nach einem steilen Aufstieg liessen wir endlich die Baumgrenze hinter uns und erreichten Electric Pass, den höchsten Punkt unserer Wanderung (knapp 3000m). Auch hier: von Schnee keine Spur.. Scheinbar sind die Ranger im Tal unten nicht gerade gut informiert. Neben einem tollen Panorama sahen wir noch 2 Hirschrudel am Gegenhang äsen.



Fast schon am Ende unserer Wanderung, etwa noch 1 Stunde vom Trailhead entfernt, sahen wir dann plötzlich ein schwarzes Fellknäuel in der Wiese sitzen.. Black Bear! Diesmal in genügender Entfernung.



Tja und dann waren wir auch schon wieder zurück bei unserer Suzy.. Landschaftlich war die Wanderung nicht gerade extrem überwältigend (halt zu viel Wald und zu wenig steile Berge für unseren Geschmack..) dafür sahen wir jeden Tag eine andere Tierart. Und definitiv keine Massentouris!



Letzter Tag Yellowstone: Zurück im Massentourismus. Den Viechern scheinen die Menschenmassen aber nicht viel auszumachen.. In Mammoth Hot Springs gibt es sogar ein lokales Hirschrudel, welche den schön gepflegten Rasen sehr zu schätzen wissen. Auch von der Strasse sieht man allerhand Tiere: Hirsche, Büffel, Koyoten.. Doch von dem später.



Zuerst gings zur zweiten grossen Touri-Attraktion in Yellowstone: Dem Yellowstone-Canyon inklusive dazugehörigem Wasserfall. Mit dem Foto ist auch gerade bewiesen, wie der Yellowstone National Park zu seinem Namen gekommen ist.



Zugegebenermassen schon sehr kitschig.. Dementsprechend mussten wir uns für dieses Foto auch durch unzählige knipsende Touris ellbögeln (wo wir uns dann auch gleich als knipsende Touris outen mussten...).



Auf der Weiterfahrt gab es immer wieder kurze (oder längere) Staus, da gerade irgendein Viech am Strassenrand Siesta macht oder am mampfen ist. Der kleine dunkle Fleck beim vordersten Auto der Schlange ist also ein Bison beim Nachmmittagsschläfchen..



Eigentlich wollten wir noch die Mud Pools besichtigen, aber eine Herde Bisons stahl dann den blubbernden Schlammvulkanen die Show. Von all den Touris oder denn hölzernen Laufstegen (oder den schweflig-stinkenden Schlammtümpeln) wenig beeindruckt lagen da Büffel in allen Grössen herum. Einige Touris liessen sich diese Gelegenheit für Familienfoto mit Büffel natürlich nicht entgehen, kein Wunder gibts immer wieder mal Zwischenfälle..



So ein Büffelleben scheint ganz schön hart zu sein...



So, das wärs auch schon von Yellowstone. Wir verbrachten noch eine Nacht in West Yellowstone und fuhren dann am nächsten Tag weiter nach Sun Valley (wieder mal..). Als nächstes gehts dann nach Norden: Glacier National Park!

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