Zurück auf kanadischem Boden mussten wir uns wieder an die Tempobegrenzungen in metrischen Einheiten gewöhnen, da die Geschwindigkeitsanzeige unserer Suzy nur in Meilen pro Stunde angegeben ist, alle Verkehrsschilder aber in km/h. Na ja, meistens tuckert man sowieso alleine auf dem Highway dahin, da wird die eigene Geschwindigkeit bald einmal relativ. Auf unserem angepeilten Zeltplatz erwartete uns dann noch eine Überraschung:
Wegen Bären (und Beeren) darf man nicht im Zelt übernachten! Na so was. Obwohl wir auch schon ohne weitere Probleme in Bärengebiet unser Zelt aufgestellt hatten, fügten wir uns und richteten uns halt im Auto häuslich ein. Eigentlich waren wir sogar froh drum, denn draussen herrschte mindestens Windstärke 7. Suzys Ladefläche ist zwar etwas kurz für Grossgewachsene, dafür kann man aber direkt unterm Sternenhimmel einschlafen...
... und das Morgenrot geniessen ohne aufstehen zu müssen! Gleichentags gings dann weiter dem Alaska Highway und Kluane National Park entlang bis Haines Junction. Der Kluane National Park bildet übrigens mit einigen US National Parks nördlich und südlich die grösste zusammenhängende geschützte Fläche der Welt. Nicht so schlecht, obwohl der grossteil des Parks einfach aus Schnee, Eis und Fels besteht..
Auf unserem Zeltplatz erhielten wir noch Besuch von einem sehr neugierigen Eichhörnchen, welches besonders an unserem Essen interessiert war..
Am nächsten Tag statteten wir dem obenerwähnten Kluane National Park noch einen kleinen Besuch ab. Leider war nur gerade etwa ein Viertel der Wanderung oberhalb der Waldgrenze, dafür konnte sich das Panorama mit frischbezuckerten Bergen also sehen lassen. Am gleichen Tag gings dann noch weiter bis Whitehorse, wo wir einen Tag Reisepause einlegten.
Von Whitehorse gings auf dem Stewart-Cassier Highway Richtung Süden - in wärmere Gefielde und zurück zu herbstlichen Farben. Der Stewart-Cassier Highway ist eine seeehr lohnenswerte Alternative zum Alaska Highway. Er ist nicht nur kleiner (mehr eine Quartierstrasse, um ehrlich zu sein...), sondern es gibt auch mehr Viecher zu sehen:
An einem Tag sind wir an vier Scharzbären vorbei gefahren (davon 1 Mama mit Jungem). Zum Glück bleiben die Bären meistens auf den gemähten Streifen neben der Strasse - ich möchte mir lieber nicht vorstellen, wie Suzy nach einem Zusammenstoss mit einem Bären aussehen würde...
Nach zwei Tagen auf dem Stewart-Cassier Highway waren wir dann endlich in Stewart. Von dort kann man via Hyder (alaskanische Exklave) zum Salmon Glacier fahren. Yep, es gibt zu diesem Riesengletscher tatsächlich eine Strasse - jedoch nicht wegen des Gletschers, sondern wegen den Goldmienen in der Gegend. Und zudem ist die Strasse doch sehr holprig, so dass man am Ende doch das Gefühl hat, dass man sich den Anblick des Gletschers verdient hat.
Nach all diesen Natur-Sehenswürdigkeiten, gab es mal wieder etwas historisch-kulturelle Kost. Entlang der Küste leben viele first nation people und damit gibt es auch viele Totempfähle und Longhouses anzuschauen. Wir sind zwar noch keine Totempfahlexperten, aber wir wissen mittlerweile doch etwas mehr über die symbolische Bedeutung von Rabe, Wal, Frosch und Co.
Kurz nach Smithers (hello, Simpson Fans!) erlitten wir noch eine kurze Autopanne...als ich bei einer Baustelle den Motor abstellte, wollte Suzy plötzlich nicht mehr anspringen! Wir schoben sie an den Strassenrand und guckten mal unter die Motorhaube (was man halt so macht...). Bevor wir überhaupt eine sinnvolle Hypothese aufstellen konnten, hielten bereits zwei andere Automobilisten an und boten ihre Hilfe an (ja, so ist das in rural Canada!). Als ich bereits mit Triple A (TCS) am Telefon war, sprang dann der Motor plötzlich wieder an - anscheinend hatte Suzy einfach einen senior moment (bzw. einen Wackelkontakt bei der Batterie). Kathleen (eine der hilfsbereiten Automobilisten) lud uns nach all der Aufregung noch zu einem Kaffee bei sich zu Hause ein. "zu Hause" stelle sich als eine grosse Farm heraus, die von ausgewanderten Schweizern betrieben wird. Wir lernten schnell die ganze Familie Wittwer kennen (6 Kinder, Eltern und Grosseltern) und kamen endlich mal wieder in den Genuss von richtigem Schweizer Käse (wenn auch von kanadischen Kühen :-). Schlussendlich blieb es dann nicht nur beim Kaffee und wir blieben noch für Znacht und Zmorgen am nächsten Tag. Suzy schien sich tags darauf von ihrer Schwäche erholt zu haben und so konnten wir unsere Reise (mit Zopf und Steaks im Gepäck) fortsetzen...always due south!

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