Thursday, October 23, 2008

Californication

Zurück in den Staaten, machten wir uns auf dem schnellsten Weg Richtung Kalifornien, Süden, Strand, Meer, Sonne, Surfer. Den Crater Lake National Park im Süden Oregons wollten wir uns dann aber doch nicht entgehen lassen. Leider war die Sicht vom Kraterrand aus gleich null und wegen ersten Schneefällen über Nacht konnten wir weder wandern noch um den Krater rumfahren... Na ja, noch mehr Grund um ins sonnige Kalifornien zu düsen. 



Nächster Stop: Redwood National Park an der Nordküste Kaliforniens. Die Redwood-Baumriesen werden hier mehr als 100m gross, da kommt man sich als Wanderer schon ziemlich winzig vor. 



Zurück bei unserem Campground direkt an der Küste, erhielten wir Besuch von einer halbzahmen Möwe, die sehr an unseren Chips interessiert war, jedoch weniger an unserer Moralpredigt, dass sich junge Möwen ihr Futter gefälligst im Meer suchen sollen. 



Nachdem wir genug moosbehangene Riesenbäume gesehen hatten, gings der sehr kurvenreichen Küstenstrasse nach weiter, immer Richtung Süden. 



Die Temperatur stieg kontinuerlich und auch das Wetter wurde immer besser. Vom gefürchteten Küstennebel war nichts mehr zu sehen und die Sonnenuntergänge wurden immer kitschiger.


Und dann (tataaa!): die Golden Gate Bridge! Auf der einen Seite wilde, unbewohnte Küste, auf der anderen Seite San Francisco, 6-spurige Highways und Wolkenkratzer. Wir wollten uns nicht mit dem Auto in die Innenstadt wagen und fuhren so direkt wie möglich weiter Richtung San Jose, Hauptstadt des Silicon Valley. Eric & Mariah, welche wir auf unserer Wanderung in El Bolson (ARG) kennengelernt hatten, empfingen uns dort super gastfreundlich.


Fürs Wochenende hatten sie bereits ein Touristenprogramm für uns zusammengestellt. Zuerst gings nach Santa Cruz, der nordkalifornischen Surferhochburg, wo sie über 5 verwandschaftliche Ecken ein Beach-House für uns organisiert hatten.


Am nächsten Tag gings dann ins Napa-Valley zur Weindegu. Mit unserer gesammelten Argentinien-Chile-Weindegustiererfahrung konnten wir uns natürlich als erfahrene Önologen aufspielen und den 2002 Petit Syrah locker mit dem 2003 Carmenère aus Chile vergleichen ;). 


Sechs Weingüter später entschlossen wir uns die Wein-Tour mit ein bisschen Schämpis abzuschliessen und besuchten die Chlöpfmoschterei von Chandon. Besonders die weibliche Hälfte der Weintester war von den verschiedenen Champagnersorten recht angetan, besonders da die Mannen für einen stetigen Cüpli-Nachschub sorgten...


Da Eric & Mariah sich wieder ans Geldverdienen machen mussten, hüpften wir in den Pendlerzug Richtung San Francisco, um das obligate Touristenprogramm zu absolvieren (z.B. chinatown) und damit wir von der Stadt mehr als nur die GoldenGate Bridge zu sehen bekommen. 



Besonders fasziniert waren wir von den faulenzenden Seelöwen am Pier 39, die sich die Sonne auf den Pelz brennen liessen. Auch wenn sich die meisten Seelöwen vermutlich den ganzen Tag nicht vom Fleck bewegen, gab es am Rande des Piers immer mal wieder Streitereien zwischen einzelnen Individuen oder vielleicht ist "sich gegenseitig ins Wasser schubsen" einfach ein beliebtes Hobby unter Seelöwen.


San Francisco ist auch berühmt für seine Trämli (public transport in the US - yeah!). Interessant ist, dass die Trämli bei der Endstation von Hand gedreht werden müssen. Vielleicht haben sie diese altertümliche Wendemethode auch beibehalten um die lange Schlange von Touristen zu unterhalten, die darauf warten ins Trämli zu sitzen.



Der nächste Ausflug führte uns ins Monterey Aquarium, südlich von San Jose. Da sieht man zum Beispiel wie Kelp (Seetang) aussieht, bevor es stinkend am Strand herumliegt.


Unsere Lieblingstiere im Aquarium waren eindeutig die Seeotter - wir verbrachten mindestens eine halbe Stunde vor dem Seeotterbecken und schauten ihnen bei der Fellputzeten zu (übrigens die Hauptbeschäftigung eines jeden Seeotters - er stellt damit sicher, dass sein Fell wasserdicht bleibt).

Am Abend feierten wir Mariahs Geburtstag in einem äthiopischen Restaurant - eine interessante und empfehlenswerte Gemeinschaftsesserfahrung (6 Personen essen jeweils mit einer Art Fladenbrot von einer Platte).

Am nächsten Tag hiess es leider Abschied nehmen von Eric und Mariah. Wir hoffen, dass wir sie bald mal in der Schweiz begastfreundschaften dürfen. 

Wednesday, October 22, 2008

Whistler / Garibaldi

Endlich wieder Sommer! In Whistler wars Ende September noch genügend warm um in T-Shirt und kurzen Hosen rumzulaufen und anstelle von Skifahrern standen die Downhiller Schlange vor dem Sesselilift. Bei so viel schönem warmem Wetter zog es uns natürlich in die Berge, genauer gesagt in den Garibaldi Provincial Park.


An herbstlich verfärbten Zwerg- (bzw. Riesen-)sträuchern vorbei wanderten wir in Richtung Elfin Lakes und degustierten die verschiedenen Blue- und Huckleberries (Heidelbeer-Verwandte).


Die Hütte bei den Elfin Lakes stellte sich als luxuriöser heraus als erwartet: Gasherd, Heizung, 30 Betten...fast wie eine SAC Hütte (ausser dass es keinen Hüttenwart gab und leider auch keine Matrazen...hätten wir doch bloss unsere Mätteli mitgenommen!). Am späteren Nachmittag erhielten wir noch Gesellschaft von zwei Feuerwehrleuten aus Vancouver (nicht im Dienst) und einem Krankenbruder aus Squamish. Zu Fünft verbrachten wir einen lustigen Abend in der Hütte und lernten viel über die Beziehung zwischen Kanadiern und Amerikanern (so ähnlich wie Schweizer und Deutsche :-).



Am Abend gabs einen ziemlich spektakulären Sonnenuntergang da es aufgrund eines Waldbrandes (in Oregon oder Kalifornien?) ziemlich viel Rauch in der Luft hatte.


Am nächsten Morgen war aber von all dem Rauch nichts mehr zu sehen und gegen Mittag war es sogar genügend warm, dass Chreschi ein kurzes Bad im See riskierte. Anhand seines Gesichtsausdrucks kann man so in etwa auf die Temperatur des Wasser schliessen...


Von Whistler aus fuhren wir durch eine fast endlose Baustelle (olympische Winterspiele 2010 sei dank) Richtung Vancouver und amerikanische Grenze (back to good old U.S. and A). 


Bei unserer letzten Übernachtung auf kanadischem Boden konnten wir noch einen Fischotter beim Verspeisen seines Morgenfisches beobachten. So wie er anschliessend posierte, hätte man meinen können, er habe zu viele Austin Powers Filme gesehen (do I make you randy, baby..?).

Friday, October 10, 2008

Going south

Von Wasilla aus (übrigens mittlerweile weltbekannt, da Sarah Palin, die republikanische Vizepräsidentskandidatin mal Bürgermeisterin von Wasilla war..) gings durch goldene Birkenwälder und schneebedeckten Bergen entlang Richtung kanadische Grenze.



Zurück auf kanadischem Boden mussten wir uns wieder an die Tempobegrenzungen in metrischen Einheiten gewöhnen, da die Geschwindigkeitsanzeige unserer Suzy nur in Meilen pro Stunde angegeben ist, alle Verkehrsschilder aber in km/h. Na ja, meistens tuckert man sowieso alleine auf dem Highway dahin, da wird die eigene Geschwindigkeit bald einmal relativ. Auf unserem angepeilten Zeltplatz erwartete uns dann noch eine Überraschung:



Wegen Bären (und Beeren) darf man nicht im Zelt übernachten! Na so was. Obwohl wir auch schon ohne weitere Probleme in Bärengebiet unser Zelt aufgestellt hatten, fügten wir uns und richteten uns halt im Auto häuslich ein. Eigentlich waren wir sogar froh drum, denn draussen herrschte mindestens Windstärke 7. Suzys Ladefläche ist zwar etwas kurz für Grossgewachsene, dafür kann man aber direkt unterm Sternenhimmel einschlafen...



... und das Morgenrot geniessen ohne aufstehen zu müssen! Gleichentags gings dann weiter dem Alaska Highway und Kluane National Park entlang bis Haines Junction. Der Kluane National Park bildet übrigens mit einigen US National Parks nördlich und südlich die grösste zusammenhängende geschützte Fläche der Welt. Nicht so schlecht, obwohl der grossteil des Parks einfach aus Schnee, Eis und Fels besteht..



Auf unserem Zeltplatz erhielten wir noch Besuch von einem sehr neugierigen Eichhörnchen, welches besonders an unserem Essen interessiert war..



Am nächsten Tag statteten wir dem obenerwähnten Kluane National Park noch einen kleinen Besuch ab. Leider war nur gerade etwa ein Viertel der Wanderung oberhalb der Waldgrenze, dafür konnte sich das Panorama mit frischbezuckerten Bergen also sehen lassen. Am gleichen Tag gings dann noch weiter bis Whitehorse, wo wir einen Tag Reisepause einlegten.



Von Whitehorse gings auf dem Stewart-Cassier Highway Richtung Süden - in wärmere Gefielde und zurück zu herbstlichen Farben. Der Stewart-Cassier Highway ist eine seeehr lohnenswerte Alternative zum Alaska Highway. Er ist nicht nur kleiner (mehr eine Quartierstrasse, um ehrlich zu sein...), sondern es gibt auch mehr Viecher zu sehen:



An einem Tag sind wir an vier Scharzbären vorbei gefahren (davon 1 Mama mit Jungem). Zum Glück bleiben die Bären meistens auf den gemähten Streifen neben der Strasse - ich möchte mir lieber nicht vorstellen, wie Suzy nach einem Zusammenstoss mit einem Bären aussehen würde...



Nach zwei Tagen auf dem Stewart-Cassier Highway waren wir dann endlich in Stewart. Von dort kann man via Hyder (alaskanische Exklave) zum Salmon Glacier fahren. Yep, es gibt zu diesem Riesengletscher tatsächlich eine Strasse - jedoch nicht wegen des Gletschers, sondern wegen den Goldmienen in der Gegend. Und zudem ist die Strasse doch sehr holprig, so dass man am Ende doch das Gefühl hat, dass man sich den Anblick des Gletschers verdient hat.



Nach all diesen Natur-Sehenswürdigkeiten, gab es mal wieder etwas historisch-kulturelle Kost. Entlang der Küste leben viele first nation people und damit gibt es auch viele Totempfähle und Longhouses anzuschauen. Wir sind zwar noch keine Totempfahlexperten, aber wir wissen mittlerweile doch etwas mehr über die symbolische Bedeutung von Rabe, Wal, Frosch und Co.

Kurz nach Smithers (hello, Simpson Fans!) erlitten wir noch eine kurze Autopanne...als ich bei einer Baustelle den Motor abstellte, wollte Suzy plötzlich nicht mehr anspringen! Wir schoben sie an den Strassenrand und guckten mal unter die Motorhaube (was man halt so macht...). Bevor wir überhaupt eine sinnvolle Hypothese aufstellen konnten, hielten bereits zwei andere Automobilisten an und boten ihre Hilfe an (ja, so ist das in rural Canada!). Als ich bereits mit Triple A (TCS) am Telefon war, sprang dann der Motor plötzlich wieder an - anscheinend hatte Suzy einfach einen senior moment (bzw. einen Wackelkontakt bei der Batterie). Kathleen (eine der hilfsbereiten Automobilisten) lud uns nach all der Aufregung noch zu einem Kaffee bei sich zu Hause ein. "zu Hause" stelle sich als eine grosse Farm heraus, die von ausgewanderten Schweizern betrieben wird. Wir lernten schnell die ganze Familie Wittwer kennen (6 Kinder, Eltern und Grosseltern) und kamen endlich mal wieder in den Genuss von richtigem Schweizer Käse (wenn auch von kanadischen Kühen :-). Schlussendlich blieb es dann nicht nur beim Kaffee und wir blieben noch für Znacht und Zmorgen am nächsten Tag. Suzy schien sich tags darauf von ihrer Schwäche erholt zu haben und so konnten wir unsere Reise (mit Zopf und Steaks im Gepäck) fortsetzen...always due south!